Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

jetzt wenigstens, noch so unentbehrlich, daß man ihm,wenn gleich nicht das Bürgerrecht, doch wenigstens dasFremdenrecht, d. i. das Recht des freien Wandels un-ter Einheimischen, so lange nothwendig vcrwilligcn muß,bis das echtdeuksche Wort, welches seine Stelle vertre-ten kann, gefunden sein wird.

Physicotheologie,der Versuch der Vernunft, aus denZweckender Natur, die nur rinpyrisch (aus Erfahrung)erkannt werden können, auf die oberste Ursache der Na-tur und ihrer Eigenschaften zu schließen.^ K a n t.

Physico -theologischer Beweis (der) des DaseinsGottes, ist derjenige, welcher aus der Beschaffenheitund Anordnung der Dinge der gegenwärtigen Welt ge-führt wird.

Physicus, eigentlich ein Naturforscher; nach dem ge-meinen Sprachgebrauche aber, ein von der Obrigkeitangesetzter Kreis-arzt, d. i. ein Arzt, der einem gewis-sen Kreise vorgesetzt ist.

Physiker, der Naturforscher, Naturkundiger.

Physiocratie, das Affocrmögen der Natur. Kant. .

Physiocratisch. Dieser Ausdruck, in Verbindung mitdem Worte System-physiocratisches Systemist in neuern Zeiten sehr oft gehört worden. Man ver-steht darunter eine in Frankreich erfundene neue Artund Weise die für die Staatsbedürfniffe nöthigen Ab-gaben von dem reinen Ertrage der Grundstücke zu he-ben ; wobei alle Einschränkungen des Handels und derGewerbe, als unnöthig, wegfallen. Der Erfinder dic-

' ses Lehrgebäudes der natürlichen Staatsverwaltung(so könnte man es auf Deutsch nennen) war FranzQ u e s n a y , Leib-arzt des Königes von Frankreich , umdas I. 1757 .

Physiognom. Wenn man von dem Acußern auf dasInnere schließen will,- so müssen freilich alle Abwechse-lungen, Merkmahle und Eigenthümlichkeiten des erste»in Erwägung gezogen werden. Da aber doch das Ge-sicht unter allen Theilen des menschlichen Körpers diemeisten und sichersten Kennzeichen des innern Menschenliefert: so glaubte ich für Physiognom den DeutschenAusdruck Gesichtsforscher in Vorschlag bringen zu dür-fen. Allein Micnenforschrr oder Mienendcuter dürftewol eine noch passendere Benennung dafür sein. S.Physiognomon ie.

Physiognomie oder Physionomie, die Gesichtsbil-dung, die Gesichlszüge, der Geftchtsausdruck; inweiterer Bedeutung, der Körper-ausdruck, oder körper-liche Ausdruck. Ost können wir auch das Wort Mienedafür gebrauchen. S. den folgenden Artikel. Zuweilenauch Gestalt, wie wenn man z. B. von der PHysiono-niic einer Sprache redet; ein Ausdruck, den ich neu-lich bei einem unserer Sprachforscher fand.

Physiognomonis oder Physiognomie. Lavat er undAdclung Haben Gesichtsdcutnng dafür gebraucht, stattdessen man auch GesichtssorscHung sagen könnte. Allein

beide Ausdrücke bezeichnen nur die-Ausübung--jenerKunst, die Handlung oder das Geschäft des Gcsichts-fvrschcrs, nicht die Lehre oder Wissenschaft, welche dieRegeln dazu entwickelt. Ich glaubte daher für die Wis-senschaft der Gesichtsforfchung den Ausdruck Gcsichts-kuude ansetzen zu müssen. Ob nun aber gleich das Ge-sicht unter allen Theilen des menschlichen Körpers diemeisten und sichersten Kennzeichen der Beschaffenheitenund Eigenthümlichkeiten des innern Menschen liefert,und daher, nach der Regele, Ä -potioti fit denomi-natio, die Benennung füglich) von ihm hergenommenwerden kann; so müßte uns doch ein allgemeineres Wort,welches zugleich den Ausdruck aller übrigen Körperthci-le mit unter sich begriffe,chiezu noch willkommncr sein.Ein solches Wort ist Miene, wclchcsmnr., wie A d. (un-ter Miene) zeigt, keinesweges den Franzosen abgcborgthaben, sondern.schon seit Ottfrficd.s Zeiten, akLeineigenes, echtdeutsches Erzeugniß , besitzen. Dieses Wortbezeichnet in seiner ersten und allgemeinsten Bedeutungdie ganze äußere Gestalt oder das. ganze-äußere Anse-hen eines Wesens oder Dinges; eine Bedeutung, welchekeinesweges zu den veralteten gehört, .obgleich A dt sieals eine solche bezeichnet hat. Denn wenn z. B. W i e-la nd sagt:

Sie hat die Miene nicht, ihn ulrbclostntzn -quälen,was heißt das anders, als: sie habmicht-das Ansehenu. s. w.? Oder, wenn Geliert- sägt^-Dre Einbil-dungskraft gibt den Gedanken des Verstandes 'diereigen-thümliche Miene, wodurch sie sich leicht von einanderunterscheiden lassen;" was heißt das anders, als dieeigenthümliche Gestalt, das unterscheidende Ansehen?So sagen wirjg yuch von Dingen,' welche kein Gesichthaben, z. B. vom Weine, von einem Gerichte, vom.Wetter u. s.. sie, machen gute Miene,,. wenn wir. ausdrucken.wollen: sie haben ein gutes Änschcii, oder,ihr äußeres Ansehen deutet auf ctiMs gutes oder vor-zügliches. Diesem zufolge scheinen mir Mieneuforschyugoder Miencndcutung undMicuenkuiid.e, recht, gute Ver-deutschungen für Physiognomome oöpx Physiognomie,und, des weiter», Umfangs wegen, bessere Ausdrückeals Gesichtsforschung und Gesichtskunde, zu ftin.iPhy-siognomische, Fragmente sind Bruchstücke aüH derMicnenkunde; und physiognomi-j>ch,e Bemerkungenmachen, heißt, Bemerkungen machen,,welche dieMir-nendeukung oder Mienenkunde betreffen. Aufcine ähn-liche Weise wird das Bei- und Nebcnwört, physio*-gnomisch, sich auch in andern Fällen übersetzen lassen.Auch würde ich, da die Ableitung deutig sich, noch inzweideutig, mehrdeutig und vieldeutig erhalten hat,nichts dawider haben, wenn jemand mienmdeutig fürphysiognomiseh bilden wollte.

Physiognomisiren, der Mienenkunde obliegen, sich mitMienendcutungcn abgeben oder befassen, den Micnen-dcuter machen.

Physio-