J20
Nive
Nive
Nobi
V
Niec
lich freilich n»r solche Vertiefungen indcnMauern, wel-che zu falschen Thüren und falschen Fenstern dienen; al-lein der Sprachgebrauch hat die Bedeutung desselben da-hin erweitert, daß es nun auch für Niche gebrauchtwerden kann. Dis ist auch, seitdem ich es in meinenfrühern Versuchen dazu empfahl, von einigen unserer er-sten Schriftsteller, z.B. von Wicland'en in der neuenAusgabe seiner Werke, geschehen:
Die ganze Schöpfung ist die Blende nur, worinDie Göttinn glänzt.
Die erste Liebe.
Auch Bürger hat für Nichen der Heiligen, Heiligen-blenden gesagt.
Niecs (spr. Niähß'), die Nichte. Da indeß dieses Deut-sche Wort eine schwankende Bedeutung hat, indem esin einigen Gegenden auch eine Cousine bezeichnet: somöchte es vielleicht rathsam sein, fürNiece, derAchn-lichkcitsrcgcl gemäß, die Neffinn zu bilden.
Gliede, der Fehlzug. Freilich kann man nun aber nichtsagen: er hat einen Fehlzug bekommen, oder gezogen;sondern man muß sagen: er hat einen Fehlzug gethan;sonst auch: er ist leer ausgegangen, er ist durchgefal-len u. s. w.
Nigaud (spr. Nigoh), der Einfaltspinsel.
Nimbus, der Heiligenschein, der Strahlenkranz.
Nippes (spr. Nipps). Da man das Wort Mode, ob e§gleich ursprünglich ein fremdes ist, für eingebürgert hal-ten kann, weil es schon längst in die Volkssprache über-gegangen ist: so schlug ich einst, da ich (in Nicolai'sdicken Manne) aufgefodert wurde, einen Deutschen Aus-druck für Nippes anzugeben, Modetand, und wennman ohne Herabwürdigung davon reden wollte, Mo-degerath dafür vor, weil man bekanntlich allerlei modi-sches Putzzeug und Putzgerath darunter versteht. Auch jetztnoch weiß ich keine bessern Ausdrücke dafür anzugeben.
Nippireu, mit Modetand oder Modegerath versehen oderausrüsten. S. Nippes.
Nische. S. Niche,
Nisus, die Strebekraft.
Laßt die Strebekraft sich dampfen?
Bürger.
Nitrös , Franz, nitreux, salpeterig.
Nitrum, Salpeter. Dis letzte Wort ist zwar selbst ausdem Lateinischen (Sal petrae) entlehnt; aber man hatihm doch erst Deutsche Form gegeben, und so ist es (wieKanzel, Bischof, Prediger u. s. w.) unserer Spracheeinverleibet worden. Man könnte es freilich-—-wie auchin einigen Wörterbüchern geschehen ist— durch Stein-salz verdeutschen; allein da diese Benennung auch dasaus der Erde hervorgcgrabcne Kochsalz bezeichnet: sowürden^ beim Gebrauch dieser Benennung, Mißverständ-nisse unvermeidlich sein.
Niveau (spr. Niwoh), die Wasserwage, Richtwage oderSetzwage. Die Kranz. R. a. etre au oder de niveau,
können wir durch wagcrecht sein und die Wage haltenübersetzen.
Niveleur (spr. Niwelöhr), der Abwager. Catel.
Niveliven, nach der Wasser- oder Richtwage messen. Oftist abwägen schlechtweg dafür hinreichend.
Nivellement (spr. Niwell'mang), dieWasserwagung oderRichtwagung. Burja. Oft ist das Abwägen hinrei-chend dafür.
Nobel, edel und adelig, jcnachdem von dem innern Adelder Gesinnungen, oder von dem geerbten oder erkauf-ten Adelstände die Rede ist. Für das Gegentheil vonadelig, welches wir bisher durch unadelig bezeichneten,wollte v. Ramdo hr adellos einführen. Allein dage-gen ist schon in der Berlinischen Monatsschrift von ei-nem Ungenannten Einsprache geschehen. Wir andernNicht-adeligen wollen gern, was wir sind, unadeligsein; aber deswegen nicht aufAdel — der Gesinnungenund Sitten — Verzicht thun, also auch nicht adellos sein.Ich trug sogar auf eine neue Adclung des Wortes Adelan, vermöge welcher es künftig nur von dem, was wirk-lich edel ist; es sei in welchem Stande es wolle, ge-sagt werden dürfte. S. Noblesse.
Nobiiiüren, adeln.
Nobilitirung, die Adelung und das Adeln. Don demersten sagt zwar Adelung: „Das Verbale, die Ade-lung, ist ganz ungewöhnlich;" allein 1. haben neuereSchriftsteller, z.B. von Ramdohr, es oft gebraucht;2. hat dieses Wort nichts sprachwidriges in seiner Bil-dung; und Z. wüßte ich nicht, warum man für die Hand-lung des Nobilitirens nicht gleich gut und richtig dieAdelung und das Adeln sollte sagen können.
Noblesse. Dieses Wort bedeutet sowol die sämmtlichenAdeligen eines Orts oder eines Landes zusammenge-nommen, als auch den Stand oder die Würde einesAdeligen, und — was nothwendig zu schädlichen Be-griffsverwirrungen Anlaß geben muß -— zugleich Hoheitund Erhabenheit in geistigem und sittlichem Verstände.Diese drei Begriffe werden auch im Deutschen unter demEinen Worte Adel zusammengefaßt; wodurch sehr schäd-liche Mißverständnisse verursachet werden können. Eswäre daher wol zu wünschen, daß man die veraltetenWörter Adelthum und Adelschaft wieder in Umlaufbringen, und diese sowol unter sich, als auch von demWorte Adel dahin unterscheiden möchte, daß Adelthumdie Adeligen zusammengenommen, Adelschaft den ade-ligen Stand, und Adel die sittliche Würde der Edcln,den Tugend-adel, bezeichnete. Daß die Endigung thun;auch Sammclwörtcr (Collectiva) bilden helfe, unddaß durch Wörter mit der Endung schaft auch der ab-gezogene Begriff des Standes oder der Würde bezeichnetwerden könne, sehen wir auf der einen Seite an Hei-denthum, Papstthum, Christenthum, Luthcrthum u.s. w., und auf der andern an den Wörtern: Jungfrau-schaft, Junggesellenschaft, Knechtschaft, Brüderschaft