Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
118
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Nerv

Neut

Ausdruck, weil Nerven keine Adern sind. Spannflcch-se, welches Rüdiger und andere dafür gebraucht ha-ben, ist dem Begriffe angemeffencr:Das Geld, dieSpannstechse aller Großthaten, nervus rerum geren-darum." Das Nervensystem kann bald durch 3ker-ven schlechtweg, bald durch Nervenverfassung oder Ner-vcngebaude verdeutscht werden. Seine Nerven habendadurch gelitten, Aeine ganze Nervenverfassung hat eineVeränderung dadurch gelitten. Sein Nervengebäude istdadurch erschüttert worden.

Nervös, nervig, kräftig, z. B. ein solcher Arm, einesolche Schrcib-art. Gewöhnlich verbindet man den Be-griff siarknervig damit.

Nettete, die Sauberkeit, Reinlichkeit, Zierlichkeit; mitEinem Worte, die Nettigkeit. Auch die Reinheit, z.B. die Reinheit der Stimme.

Netto. Man werfe von diesem, den Kaustcuten so geläu-figen, und ihnen so unentbehrlich scheinenden Worte,die ausländische Endung (o) weg: so ist es ein Deut-sches nett. Dieses nett ist mit dem Lat. nitidus(im mittlern Lat. nectus), dem Engl. neat, dem Franz,und .fjoH.net, und dem Jtal. netto selbst, entwederals Mutter, oder als Schwester verwandt, und bedeu-tet, wie jene: r.rcin und sauber, 2 . hübsch und nied-lich, Z. rein im kaufmännischen Sinne, d. i. nach Ab-zug alles Abzuziehenden (der Tara, der Provision u.f w.). Diese letzte Bedeutung hat das Deutsche nett we-nigstens im N. D.; und es ist nicht abzusehen, warumder Deutsche nicht lieber etwas aus dem N. D., alsaus dem Jtal. sollte entlehnen dürfen. In dem Moritzi-sche» Mörtcrbuche ist der zweite Fortsetzcr, Stenzel,diesem meinen Urtheile beigekreten. Gute Schriftstellerhatten das Wort nett schon vorher gebraucht:Werhat jemahls die ganze Verstrickung von Zeit-umständennetter überdacht %" A b b t.

Neutral. Ich hatte in der Preisschrift parteilos dafür an-gesetzt; und dabei angemerkt, daß unparteiisch, so wiedas Sachwert Unparteilichkeit, nur den Mangel einerVorliebe oder vorgefaßten günstigen Meinung für eineSache, bezeichne, also auf innere Gesinnung deute,dahingegen neutral und Neutralität (Parteilos undParteilostgkcit) nur von solchen Aeußerungen oder voneinem solchen Betragen gälten, wodurch man sich we-der für noch wider eine Partei erklärt, sondern unent-schieden läßt, ob man in seinem Herzen der einen oderder andern günstiger sei. Dagegen wandte Eschen-b urg ein: daß ihm dieser Unterschied zwischen partei-los und unparteiisch nicht einleuchte; ihm scheine viel-mehr das letzte nicht mehr und nicht weniger, als daserste, zu sagen.Denn, fügte er hinzu, wenn unpar-teiisch und llnparteilichkeit auch Zunächst bloß auf Mei-nung und Gesinnung deuten, so muß doch diese alle-mahl vor der Parteinahme oder der thätigen Theilnah-me vorangehen." Das ist nun zwar in vielen Fällen,

aber doch nicht in allen wahr, weil man zuweilen, auchwider seine Ueberzeugung oder vorgefaßte Meinung, einePartei zu ergreifen durch die Umstände gezwungen wird.Auch können zwei Wörter, wovon das eine dasjenige,was vor einer Handlung oder einem Zustande hergeht,das andere aber die Handlung oder den Zustand selbstbezeichnet, doch nicht für gleichbedeutend gelten; undwenn mein Sprachgefühl mich nicht täuscht, so würdeman für bewaffnete Neutralität, zwar wol bewaffneteParteilosigkeit oder parteilose Bewaffnung, aber schwer-lich bewaffnete, Unparteilichkeit oder gar unparteiischeBewaffnung sagen wollen. Was das Wort Parteibetrifft, so ist es schon lange so allgemein, selbst inder Volkssprache, gebräuchlich, und stört unsere Sprach-gleichförmigkeit, die undeutsche Betonung ausgenom-men, so wenig, daß wir es wol für eingebürgert wer-den gellen lassen müssen. Uebrigcns sind parteilos undParteilosigkeit von sprachkundigen Schriftstellern ange-nommen worden:Mit Recht kann jedes Volk die Beob-achtung dieser Parteilosigkeit fordern." Rüdiger.

Die Holländer besitzen für neutral und Neutralitätdie Wörter onzydig und Onzydigheid. Diese hatAffsprung durch unscitig und llnseitigkeit ins Deut-sche aufzunehmen gerathen; ich erinnere mich auch, bei-de schon einigemahl in Zeitungen und andern öffentli-chen Blättern gebraucht gefunden zu haben. Einseitig,wovon unfertig auf der einen, so wie von vielseitig aufder andern Seite, einen Gegensatz ausmacht, hattenwir schon.

Als dieses Wörterbuch schon vollendet war, und ebender Presse übergeben werden sollte, fand ich inJen-zens historischem Journale folgende scharfe und, wieich glaube, richtige Auseinandersetzung der Begriffe Un-parteilichkeit und Neutralität, die ich hier hersetze,weil die oben versuchte Begriffsbestimmung dadurch be-stätiget wird:Unparteiligkeit ist der Zustand eines Ge-müths, welches sich, bei der Behandlung einer Sachevon allem Einflüsse der Gunst oder Ungunst gegen diedabei interessirtcn Personen frei erhält. Das in einemsolchen Zustande erzeugte Product, es sei nun Urtheiloder That, heißt unparteiisch. Neutralität hingegenist der Zustand (nicht sowol des Gemüths, als der äu-ßern Verhältnisse) in welchem die Verlautbarung desUrtheils über einen gewissen Gegenstand, sie mag nundurch Thaten oder durch Worte geschehen, zurückgehal-ten wird. Da Parteilichkeit im Urtheil die Wahrhaf-tigkeit und im Handeln die Gerechtigkeit ausschließt,so ist es unter allen Umständen von der Würde desMenschen unzertrennlich, und unmittelbares Gebot derPflicht, nach Unparteiligkeit zu streben. Sie ist in je-dciu Falle *) ein Sieg der Vernunft über die Neigun-gen;

*) Nicht i» jedem, sondern nur in manchem Falle,- denn wennman Wirklich keine Vorliebe weder für die Person, noch für die