mit einer moralischen (einer gedachten) Person zu thun.Eine solche eingebildete oder gedachte Person ist ein Ge-dankenwesen; und dieser Ausdruck kann auch oft füg-lich dafür gebraucht werden. Man muß indeß gestehen,daß diese dem Worte moralisch angedichtete Bedeutungihm nicht sehr natürlich ist.
Moral isiren, den Tugendlchrer machen oder spielen,spottwcise, predigen.
Moralist, der Tugendlehrer.
Moralität, i. die Sittlichkeit oder das Sittliche, d. i.diejenige Eigenschaft, vermöge welcher etwas, als gutoder böse, ein Gegenstand des sittlichen Gefühls oderdes Gewissens ist. So sagt man z. B. die Moralitäteiner Handlung untersuchen. In dieser Bedeutung ge-nommen, umfaßt das Wort sowol das sittlich Gute alsauch das sittlich Böse. 2. Das sittlich Gute insonder-heit. Hier wird es der Immoralirät, oder dem sitt-lich Bösen entgegengesetzt; z. B. „Seine Moralität hat
• durch den Umgang mit diesem Menschen sehr gelitten."Es ist freilich unbequem, aber üblich, das Wort Sitt-lichkeit auch in dieser Bedeutung zu gebrauchen. SeineSittlichkeit hat dadurch gelitten. Zuweilen pflegen wirihm auch das Wort Sitten unterzuschieben: seine Sit-ten haben darunter gelitten. Aber dieses ist noch unbe-quemer, weil wir mit diesem Ausdrucke auch das äu-ßere Benehmen, die äußere Artigkeit odcrWtzhlansian-digkeit zu bezeichnen pflegen, in welchen an sich oft we-der etwas sittlich gutes, noch etwas sittlich böses, ent-halten, sondern alles bloß übereinkünftlich ist. Es wäredaher allerdings zu wünschen, daß man diese so sehrverschiedenen Wegrisse durch genau bestimmte und un-zweideutige Ausdrücke von einander absonderte. Stuv e,der dieses Bedürfniß fühlte, versuchte (S. die Samm-lung seiner vermischten Schriften) für Moralität inengerer Bedeutung, das neue WortGesiktethcit: „DieGesittetheit armer Kinder kann verderbt sein." Alleindieses Wort ist zu hart, als daß es Glück zu machenhoffen dürfte. Eben so wenig verdient das, ehemahlsvon mir empfohlene , veraltete Sittigkeit für diese,r Be-griff vorgeschlagen zu werden. S. Moralisch. W i c-land scheint gleichwol es in dieser Bedeutung gebrauchtzu haben: „Damen, die in Ansicht (Absicht oder Anse-hung) der Sittigkeit ihres Charakters dieser Bambo'sTochter weit vorgehen, haben ungefähr das Nämlichegethan, was Blaffardine thut." Man begnüge sich da-her, auch für diese engere Bedeutung des Wortes Mo-ralität, mit Sittlichkeit (wofür man oft auch die Aus-drücke: sittliche Güte, sittliche Würde, Reinheit undWürde der Sitten, gebrauchen kann); und bezeichnedie äußere Wohlanständigkcit oder die Beobachtung des.übcrcinkünftlichen (Eoii^eutioirelleu)'im Aeußern, mitsolchen Wörtern, die nicht eben so leicht auf das In-nere gezogen werden können, z. B. mit Abgcschliffenheit,äußerer Wohlgezogeicheit, Verfeinerung u. dergl.; und
wenn man von Ständen und Klassen redet, die sichdurch diese äußere Glätte von andern unterscheiden: sonenne man sie nicht mehr, wie bisher, die gesitteten— denn das sind sie ja oft am wenigsten — sonderndie verfeinerten, geschliffenen, oder die höheren, wennman will; allenfalls auch die gebildeten, ungeachtetdis hier oft nur so viel als die abgerichteten, oft so-gar die gebildeten bedeuten mag.
Moratorium, ein Brief; worin der Landesherr einemVerschuldeten eine gewisse Frist gewährt, bis zu derenAblauf die Gläubiger Geduld mit ihm haben müssen.Man hat den Ausdruck, eiserner Brief, dafür beliebt;könnte aber auch Aufschubsbrief, Frisibrief, oder Frist-gewährung dafür sagen. Man sagt auch Anstands-brief dafür.
Morbidesse, Jtal. Morbidezza, die Mürbigkeit; eluKunstwort der Mahlerei, die Weichheit, das Nachge-bende und Sanfte, z. B. am gemahlten Fleische, zu be-zeichnen. „Das Entgegengesetzte ist ein Fehler, dessensich diejenigen Mahler schuldig machen, welche in ihrenGemählden alles lecken, allen Gegenständen eine glatteund glänzende Oberfläche zu geben suchen." H e I) d e n-r c i ch s ästhetisches Wörterbuch.
Mordant, in der Tonkunst, eine Manier oder Verzie-rung im Vortrage des Spiels oder Gesanges, wo mandie Hauptnote, dann die unter derselben zunächst be--
- findliche, und dann wieder jene anschlägt oder hörenläßt. Aus dem fortgesetzten Mordairteir entsteht derTriller. Eschenburg. Mordant ließe sich also viel-leicht durch Halbtriller verdeutschen.
Mores, die Sitten. Einem Mores lehren, heißt, ei-nem den Kopf zurechte fetzen, ihm lehren, wie mansich aufführen muß.
Moresques, S. Arabesques.
Moros, mürrisch, verdrießlich, grämlich, murrkopfig.
Morositdt, die Mürrköpsigkeit, Gramlichkeit, das mür-rische , verdrießliche Wesen.
Mortalität. Man hat geglaubt, dieses Wort nach derBedeutung, die es im Französischen hat, da es dieZahl der in einem Jahre sich ereignenden Sterbefällcausdruckt, durch die buchstäbliche Uebersctzung, Sterb-lichkeit, verdeutschen zu können. Allein Atz. verwirft(Magazin 1 Jahrg. Z. Sk. Seit. c> 8 ) diesen GebrauchdeS Worts Sterblichkeit mit Recht. „Sterblich, sagter, bedeutet nichts anders, als fähig zu sterben, undist dem unsterblich entgegengesetzt. Sterblichkeit kann al-so auch nichts anders bedeuten, als das Vermögen oderdie Fähigkeit zu sterben. Wie konnte man sichs doch ein-.fallen lassen, einen so zusammengesetzten Begriff, alsdas Verhältniß der Gestorbenen gegen die Grbohrnenist, durch dieses Wort auszudrucken, und Stcrblichkeits-listcn u. s. f. zu machen? Andere Sprachen können hiernicht zum Muster dienen, weil jede ihre eigenen Ana-logien (Aehnlichkeitsregelu) hat." Ich finde dieses Ur-theil