Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
110
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HO

Moqu

Mora

Mora

Ein Mahl, zum mindesten von Stein,

Wo nicht von Erz.

Histor. Bilderbüchlein.

Moquerie (spr. Mockerih), die Aufhalterci;Es sollenin dieser Schrift Aufhaltcrcicn über Stadt- und Land-sachen vorkommen." Rüdiger. Sonst auch Spötterei,Hühnerei.

Moqueur ( spr' Mocköhr), ein Spötter, Spottvogel.^

Moquiren (sich), sich aushalten.

Mora , der Verzug. Es kommt in der R. a. EericuhiirrIn mora vor, welche bedeutet: die Sache kann ohneGefahr nicht aufgeschoben werden, oder, der Verzugist mit Gefahr verbunden. Sine mora, ohne Verzug.

Moral. Die bisher gebräuchliche Deutsche Benennungdafür war Sittenlehre. Allein da das Wort Sittenmehr auf äußeres Betragen , äußere Gebrauche und Ge-wohnheiten, als auf innere Fertigkeiten deutet: so hatman seit einiger Zeit den Namen Sittenlehre der Wis-senschaft, die dadurch bezeichnet wurde, nicht mehr an-gemeffen gefunden, und lieber Psiichtenlehre dafür sa-gen wollen. Der berühmte Urheber der neuern Welt-weisheit, Kant, hat für gut gefunden, mit dem Na-men Pflichtenlehrc die Moralphilosophie überhaupt zubezeichnen, und darunter die Rechtslchre (jus), welcheäußerer Gesetze fähig ist, und die Tugendlchre (Ethica),welche deren nicht fähig ist, zu begreifen. S. dessenTugendlehre. S. 1.

Moralisch. Dieses Wort wird in dreierlei Bedeutung ge-braucht. Es bezeichnet nämlich 1. allgemein, was aufdie freie Natur eines vernünftigen Wesens Bezug hat,mit dieser entweder übereinkommt, oder ihr widerstrebt.Hier wird es bald dem physisch, bald dem logisch,bald dem ästhetisch entgegengesetzt. So sagt man z.B. es ist moralisch nothwendig; ich bin moralisch gewiß;es ist moralisch gut oder moralisch böse; diese Darstel-lung ist zwar ästhetisch schön, aber moralisch häßlisch. Indiesem weiten Sinne genommen, wird es durch unsersittlich recht gut verdeutscht. Denn da das Wort Sit-ten das gesamte Betragen eines freien und vernünftigenWesens, ( mag dieses Betragen der Natur eines sol-chen Wesens gemäß sein oder nicht) umfaßt: so bezeich-net sittlich alles, was auf ein solches Betragen Bezughat, es mag gut oder böse sein. Oft können wir aberauch für moralisch, in diesem Sinne genommen, rechtgut und zur Vergrößerung der Deutlichkeit bald inner-lich, bald durch innere Beweggründe, bald aus Ver-nunftgründen setzen; z. B. ich fühle mich innerlich oderdurch innere Beweg- oder Bestimmungsgründe gezwun-gen; ich bin zwar aus Vernunft- oder Wahrschcinlich-keitsgründen gewiß, kann aber doch nicht beweisen u. s.w. 2. In bestimmterer Bedeutung, was mit der freienNatur eines vernünftigen Wesens übereinkommt oder ihrgemäß ist, und sich unter die Formen Gerechtigkeit undWohlthätigkeit bringen läßt; z.B. ein moralischer Wan-

del, eine unmoralische Handlung. Hier paßt das bloßeWort sittlich (wenn man es nicht entweder mit gut oderböse verbindet, z. B. ein sittlich guter oder böser Wan-del) nicht mehr dafür. Ich fragte daher in meinen frü-hern Versuchen an, ob wir für moralisch in dieser be-stimmteren Bedeutung genommen, nicht lieber das ver-altete, aber gute und sprachrichtige Wort sittig wiedergangbar zu machen suchen wollten; und erläuterte die-sen Vorschlag durch folgende Beispiele:Der Mensch,mit sittlichen (moralischen, in der ersten Bedeutung desWorts) Anlagen geboren, muß durch Erziehung undAusbildung sittig (moralisch, in der zweiten Bedeutung)werden. Die Untersuchung über die Sittlichkeit sei-nes Betragens hat seine unbefleckte Sittigkeit außerZweifel gesetzt." Diese Unterscheidung, setzte ich hinzu,könnte willkührlich scheinen, allein sie wäre es nicht.Vermöge der den Endsilben lich (gleich oder ähnlich) undig (eigen oder habend) anklebenden Kraft und Bedeutung,hieße sittlich, den Sitten gemäß oder die-Sittcn ange-hend; sittig hingegen, Sitten habend oder gesittet. Sit-tig wäre also so viel als tugendhaft. In dieser Bedeu-tung schiene es auch in ältern Schriften, z.B. inRol-lenhagens Froschmäusler vorzukommen:

Dir ziemt ein frischer, junger Held,

Von allen Fürsten auserwählt,

Vernünftig, si/ttig, tugendhaft.

Auch neuere Schriftsteller hatten das Wort in dieser Be-deutung zu gebrauchen wieder angefangen, z.B. G.W.K. Starke in den Gemählden häuslicher Glückselig-keit:Augenblicklich stimmte die Freundinn ihre tändeln-de Rede in sittigen Ernst. Allein ungeachtet dieserVorschlag mir auch heute noch kcineswcges ganz grund-los zu sein scheint, so muß ich ihn doch zurücknehmen,weil ich mich jetzt überzeugt habe, daß der ehemahligeSprachgebrauch dem Worte sittig, nicht die ihm an-gewiesene, sondern vielmehr diejenige Bedeutung beige-legt habe, welche jetzt die Wörter ehrbar, sittsam undwohlanständig haben. Man sehe die von A d. unter Sit-tig angeführten Beispiele. Selbst in der angeführtenStelle aus dem Froschmäusler scheint es mir jetzt indiescul und nicht in jenem Sinne genommen zu sein,weil das darauf folgende tugendhaft sonst ganz müssigdastehen würde. Ich muß also nunmehr rathen, fürdie angezeigte zweite Bedeutung des Worts moralischbei. der Verdeutschung durch sittlich gut oder gesittetbewenden zu lassen. Oft kann man es aber auch mitWi eland durch tugendlich verdeutschen:Du meinstdoch nicht diese Leute von rugendlichem Temperamente(von tugendlicherLeibesbeschassenHeit) ?" 3 . Was als einfreiwirkendes vernünftiges Wesen, nicht wirklich da ist,sondern nur gedacht wird, oder nur mit dem innernSinne wahrgenommen werden kann. Hier wird es demwirklich entgegengesetzt. So sagt man z. B. ich habe esin dieser Sache nicht mit einer wirklichen, sondern nur

mit