Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

Lite

Loca

86 Liqu Lite

Liquidiren, eine Rechnung untersuchen, klarmachen,abthun.

Liquidum, I. etwas flüssiges; 2. eine erwiesene oderklare Schuld.

Liquor. Dieses Wort, welches eigentlich nur eine Flüs-sigkeit oder etwas flüssiges bedeutet, ist zur ausschlie-ßenden Benennung eines bekannten Arzneimittels gewor-den. Kinderling hat es durch Krastwaffer verdeut-schen wollen; allein dieser Ausdruck ist, so viel ich weiß,schon fur aqua confortans üblich. Dasjenige Arznei-mittel, welches man Liqnor nennt, heißt auf Deutschvon seinem Erfinder, Hoffmannische Tropfen.

Lis, eine streitige Sache oder Streitsache; pendens,eine anhängige. Litis consortes , die Streitgenossen.Litis contestatio; dafür werden hin nnd wieder ge-braucht : I. die Einlassung, von der R. a. sich aufetwas einlassen. S. Links Katechismus des Kanze-leistils. 2. Die Kriegsbefestigung. Krieg bedeutet hierStreit oder Rechtsstreit. S. Adel.

Liste, das Verzeichniß, die Rolle. Indeß da Liste un-sere Sprach-ähnlichkeit durch nichts beleidiget und schonallgemein üblich ist: so mag es immer für eingebürgertgelten.

Litanei, heißt auf Grichisch, das Flehen oder die Bitte»Man konnte Bitt- oder Flehgesang dafür sagen. ESwird aber auch uneigentlich genommen. Sein Brief,sagt man, enthält eine lange Litanei von Beschwerden.Hier kann man Klagelied dafür sehen.

Lit de justice (spr. Lih de stüstihß'), heißt buchstäblichüberseht: ein Gerechtigkeitsbett. So nannte man ehe-mahls in Frankreich eine öffentliche und feierliche Aus-übung der willkührlichen Königsgewalt, die darin be-stand, daß der König, begleitet von den Prinzen seinesHauses und von seinen ersten Dienern, in dem sogenann-ten Parlamente erschien, um eine Verordnung, welchedieses als ein Landesgeseh anzunehmen sich geweigerthatte, vom Throne herab mit Gewalt in daS Gesetzbucheintragen zu lassen. Der König saß bei dieser Gelegen-heit unter dem Thronhimmel auf einem Kissen; hatteein Kissen «m Rücken, und eins unter jedem Elbogen;daher die Benennung Bett. Sollten unter der jetzigenRegierung in Frankreich, mit so manchem andern ausder vorigen Verfassung, auch die Lits de justice wie-der zurückkehren, so müßte man es durch Gewaltsla-ger verdeutschen.

Litetal, buchstäblich, z.B. eine solche Uebersehung.

Literaliter, dein Buchstaben nach, buchstäblich.

Literarisch oder litterür; läßt sich meistcntheils durchgelehrt geben; z. B. dergleichen Beschäftigungen, der-gleichen Zeitungen, dergleichen Geschichte u. s. w. Zu-weilen können wir auch dieses Beiwort durch eine Zu-saunnensehung mit Bücher umgehen, z. B. die Bücher-gcschichte für Litterärgeschichte.

Literator, ein Buch erkenn er; ein Gelehrter in cngerekBedeutung.

Literatur, i. das Bächerwesen.Verderbt uns unserBücherwesen." Gleim. 2. die Bücherkenntniß oderBücherkunde. Im gemeinen Leben, und wenn man min-der genau redet, wird Literatur auch oft für Gelehr-samkeit und für Wissenschaften genommen. Die schö-ne Literatur z. B. ist nichts anders, als die schöneoder schönere Gelehrsamkeit, oder die schönen Wissen-schaften. Eine Literaturzeitung ist eine gelehrte. DieDeutsche Literatur, daö Deutsche Bücherwesen, dieDeutsche Gelehrsamkeit. Literaturbriefe sind Briefeüber das Büchcrwesen.

Literatus, ein Gelehrter.

Litholog, der Steinkenner, Steinkundige.

Lithologie, die Steinlehre, Steinkunde.

Lithophag, ein Steinfresser.

Litigiren, rechten, einen Rechtshandcl führen. Litigan-di temeritas, die Streitsucht.

Littorale, das Strandland, Küstenland.

Liturgie , die Vorschrift oder Einrichtung der öffentliche^Gottesverchrungen; wofür man, ohne genauere Bx«stimmung, die sich von selbst ergibt, Kirchenvorschristoder Kirchen-ordnung sagen kann. Kinderling hatKirchengebrauch dafür angesetzt; das ist aber ritus.Rüdiger hak Kirchendienst dafür gebraucht:Dahingehört die Bestimmung des sogenannten Kirchendienstes,(Liturgia)."

Livrant, einer der etwas liefert, ein Lieferer.

Livre (spr. Llwer), ein Pfund, wonach in Frankreich undEngland Geldsummen berechnet wörden. Eine Summevon tausend Pfund. Tausend Pfund Sterliug.

Livree. Die alten £>. D. Ausdrücke Hoffarbe und Leib-farbe paffen nur, wenn. auf die Farbe der Livree al-lein gesehen wird; aber nicht, wenn man die ganzeKleidung selbst meint. Dienstkleidung, welches H e y-natz vorschlägt, würde eher für lVIomur paffen. Kin-derling hat Dienertracht dafür angesetzt; wofür manauch Bedienten- oder Dienerkleid sagen kann.

Local. Stutz sagt:Von dem Deutschen SubstantivDrt läßt sich schwerlich ein Wort ableiten, welches dasfremde verdrängen wird. T)rtmaßig, wie schristmaßig,mag ich selbst nicht sagen." Ich auch nicht; aber washindert uns örtlich, das Oertliche, dieDertlichkcit unddie Drtsbeschaffenheit zu sagen?

Locaiität, die Dertlichkeit, und die Drtsbcschaffenheit.Dertlichkeit hat Catel, aber nicht Adelung, auf-genommen.

Locarium, der Miethzins, das Pachtgeld.

Locataire (spr. Lokatär'), Sat.Locatarius, der Mieths-mann oder Miether, der Zinsmann, der Pachter.

Location, die Vermuthung, die Verdingung, das Ver-dingen, der oder das Verding. A d. hat dis letzte Wortnur als ein geschlechtloseö (neutrum) aufgenommen;

mir