Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

43

Huma

Huma

ros, sie machen ntisb die Sitten , und verscheuchendie Roheit.

Humanismen, menschlich, sittig, oder gesittet machen;sittigen. Man könnte auch zuweilen vermenschlichendafür sagen.

Humanität. Dieses fremde Wort ist seit einigen Jahren,besonders durch H erd er'n, der es zum Titel eines sei-ner Werke machte, in lebhaften Umlauf gekommen; undes gibt fetzt Schriftsteller, die kaum eine Seite schreibenkönnen, auf der dis undcutsche Licblingswort nicht we-nigstens Einmahl angebracht wäre. Indem ich diesesschreibe, fällt mir ein Zeitbuch (Kameleon oder dasThier mit allen Farben) in die Hände, dessen Verfasserauf anderthalb kleinen Seiten (Seit. 88 und 89) nichtweniger als siebenmahl damit um sich wirft. Ein Un-genannter hat eine Kritik der Humanität (Leipzig 1796)geschrieben, ohne auf den 294 Seiten, die er damitanfüllte, seinen Lesern auch nur ein einziges mahl zusagen, was er sich bei diesem undeutschen Titel eigent-lich gedacht habe. S. Jenaische Lit. Zeit. 1798 R-211. Ob die Menschheit in unserm Vaterlande vieldahei gewonnen habe, mögen Andere untersuchen; daßaber die Sprache dadurch um nichts reicher oder schönergeworden sei, wird aus folgenden Betrachtungen erhel-len, die mein Freund Stuvc kurz vor seinem Tode ineiner Beurtheilung des Hcrdcrschen Werks in der Allg.Lit. Zeitung darüber anstellte:

Es scheint gar nicht wohlgethan, dieses ausländischeWort in unsere Sprache aufzunehmen, und ihm das Bür-gerrecht in derselben einzuräumen. Die Weitschichtigkcitder Bedeutung desselben in seiner Sprache, und die dar-aus entstehende Unbestimmtheit des Begriffs oder derBegriffe, die damit verbunden sind oder verbunden wer-den können, ist in der That zu groß." (Mit Recht wirdhier gerade das als Hauptgrund angegeben, warum disfremde Wort von uns ausgcstoßen werden sollte, wasvon andern seltsam! oft als ein Empfehlungsgrundfür dergleichen fremde Wörter angeführt zu werden pflegt,wenn sie ihre Uncntbehrlichkeit darthun wollen: die un-bestimmte, in jeder andern Sprache durch ein einzigesWort unausdruckbare Vieldeutigkeit derselben.)Dieviclbcdentenden oder viele und verschiedene Begriffe zu-gleich bezeichnenden Wörter haben , unserer Einsicht nach,eben dadurch etwas sehr unvollkommenes und zweckwi-driges. Es ist in der That auffallend, daß der Verfas-ser nirgend in der ganzen Schrift eine Erklärung odereinen bestimmten Begriff von dem Worte Humanitärgegeben hat; allein es hielt auch freilich schwer, bei derVieldeutigkeit desselben, und bei der Unbestimmtheit, inwelcher es der Verf. selbst gebraucht, einen bestimmtenBegriff anzugeben. Er fangt z.B. den 2^flen Brief soan: Alle Ihre Fragen über den Fortgang unsers Ge-schlechts, die eigentlich ein Buch erfoderten, beant-wortet, wie mich dünkt, ein einziges Wort: Huma-

nität, Menschheit! Hier heißt es offenbar so viel, alsmenschliche Natur. Eine ganz andere Bedeutung hakes, wenn er im letzten Briefe sagt: Gabe man diesemBegriffe (Humanität) alle seine Stärke, zeigte manihn im ganzen Umfange seiner Wirkung, und legteihn, als Pflicht, sich und andern aus Herz u. s. w.Wird es nun in dieser Bedeutung genommen, in wel-cher es auch auf dem Titel des Buchs, wenigstens vor-züglich, genommen zu sein scheint, so druckt das WortMenschlichkeit völlig dasselbe aus herrschende Gesin-nung den Menschen im Menschen zu ehren und zu lie-ben. (In dein Fortgangc des Werks hak auch der Vers.selbst bald das eine, bald das andere dieser beiden Deut-schen Wörter, statt des fremdengebraucht.) Gesetzt aberauch, das Wort Humanität ließe sich in unserer Spra-che gar nicht durch ein einzelnes Deutsches Wort über-setzen: so scheint es uns doch in einer, nicht bloß fürGelehrte bestimmten Schrift, zuträglicher, seinen Um-fang durch mehre Deutsche, dem ganzen Volke geläufigeAusdrücke zu erschöpfen." Mit Recht! Denn das WortHumanität kann dem großen Haufen, selbst die gebil-deten, nur des Lateins unkundigen Klassen mit einge-schlossen, nie durch sich selbst verständlich und nie ge-läufig werden; und wie sehr wäre gleichwol zu wün-schen, daß die Begriffe, die es einschließt, sich bis indie untersten Volksklassen verbreiten möchten!Je wich-tiger ein Begriff für die Erleuchtung und Veredelung derMenschheit ist, desto mehr muß man darauf bedachtsein, denselben jedem Volke in feiner Sprache zu bezeich-nen; denn sonst steht gar nicht zu erwarten, daß der-selbe nach seinem wahren Gehalte in allgemeinen Um-lauf kommen und von dem größten Theile der Menschenrichtig werde gedacht und angewandt werden. Es istdaher zur Beförderung dessen, was man Humanitätzu nennen beliebt, unter uns Deutschen gewiß nicht un-wichtig, daß wir es in Deutscher Wortgcstalt und Bil-dung kenntlich machen und empfehlen."

Ich unterschreibe dieses Urtheil in allen seinen Thei-len. So lange ein Volk noch keinen Ausdruck für ei-nen Begriff in seiner Sprache hat, kann es auch denBegriff selbst, weder haben, noch bekommen. Nur die-jenigen unter ihm können ihn haben oder bekommen,die der fremden Sprache kundig sind, welche das Wortdazu leihet. Dis ist der Gesichtspunkt, aus welchem dieReinigung unserer Svrache von fremden Zusätzen zu ei-ner so überaus wichtigen Angelegenheit wird.

Was das Wort Humanität insbesondere betrifft, sokann es, wie schon oben bemerkt worden ist, bald .durchMenschheit, bald durch menschliche Natur, bald durchMenschlichkeit, Menschenfreundlichkeit und Menschen-liebe ersetzt werden. In andern Fällen würden Men-schengefühl und Menschenwürde dafür paffen, wie wennjemand sagt: er ehre die Humanität selbst in Feinden;oder die Humanitär zwinge ihn, sich auch des Fein-des