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2 (1808) F - Z
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Gouv

Grad

Grae

Gram

Gouvernante (spr. Guwernangke), die Erzieherinn, Hof-meisterinn; an den Höfen die Oberhofmcisterinn. Bür-ger hat Sittenmcisterinn dafür gesagt:

Des Fräuleins Sittenmeisterinn.

Gouvernement (fpr. Guwcrn'mang), die Verwaltung,die Staatsverwaltung, (Regierung ist selbst ein Zwik-terwort), die Statthalterschaft, der Verwaltungskreis,worüber ein Statthalter oder Gouverneur zu gebie-ten hat.

Gouverneur, i. der Statthalter, oder Landvogt; 2.der Stadtbefehlshaber; 3 . der Erzieher oder Hofmei-ster, wofür man auch der Führer sagt. In einem Ge-dichte hatTr a p p Kindermeister dafür gesagt:

Hier ward ich Kindermcistcr.

Gouverniren, lenken, gebieten oder beherrschen, ver-walten.

Graue (fpr. Graaß'). Wir haben dafür Anmuth, Lieb-lichkeit, Reiz, Gunst, Gewogenheit, Gnade, wo-von das eine für diesen, das andere für jenen Fall ambesten paßt. De bonne grace, heißt, mit guter An,Anstand und Würde.

Graciös ( Franz, gracieux , spr. graßiöh ), anmuthig ,lieblich, reizend, gefällig, gütig, gnädig.

Grad, die Stufe oder Staffel. Wenn von den Gradender Kreislinie die Rede ist: so könnte man Kreistheil-chen dafür sagen. Da indeß Grad, nach abgelegterausländischen Endung, nicht mehr undeiikfch klingt, ja,nach Ad.s Vermuthung, vielleicht selbst urfprünglichDcutsch ist: so mag man es, besonders in der wissen-schaftlichen Sprache, immer für eingebürgert halten.

Gradatim, stufenweise, stufen-artig, nach und nach.

Gradation, die Steigerung oder Abstufung.

Gradiren, wird theils von den Goldfarbener» für: demGolde eine höhere Farbe geben, theils in den Salz-werken gebraucht, wo es: das Salzwaffer durch Ab-dampfung reichhaltiger machen, bedeutet. Dort wür-de also die Gradiruug durch höhere Farbengebung, hierdurch Abdampfung, so wie das Gradirhaus durch Ab-dampfungshaus, zu übersetzen sein.

Gradnation, die Abtheilung in Grade; also die Gradab-thcilung. Man vermißt auf dieser Karte eine genaueund richtige Gradabtheilung.

Gradus, 1. in der Sprachlehre, die Steigerungsstufen.Popowitsch hat, nicht sehr paßlich, wie es scheint,die Vergleichungsstufen dafür gesagt; denn dicVcrglci-chung ist in allen Fällen gleich, und hat keine Stufen.Ich hatte angemerkt, daß es, genau genommen, nurzwei Steigerungsstufen zu geben scheine, weil beim Po-sitivo von keiner Vcrgkeichung und von keiner Steige-rung die Rede sei, und daß man daher diesen den Ur-ständ des Beiworts, und den Comparativus die er-ste, den Luperiativus die zweite Steigerungsstufe nen-nen sollte. Dagegen erinnerte aber v. Knigge in ei-

nem ungcdruckten Briefe:Ich glaube allerdings, dastauch der Positiv ein Gradus fei, nämlich indem eineSache, die keine solche Eigenschaft hatte, zu dem Gra--de erhoben wird, daß sie mit derselben gedacht werdenmuß. Der Mann ist ohne Werth; er hat Werth; erhat höhern Werth; er hat den höchsten Werth. In derZeichenrechnung a° , a* , a 1 , a 3 . Wenn eine Zahlzu einer höhern Würde erhoben wird, so heißt ja auchda die erste Würde, z. B. 1=2°, 2=2*, 4=2»,82 3 u. s. f." DieseMnach müßte also dcrkositivusdie erste, der Comparativus die zweite, und der8u-porlativus die dritte Steigerungsstufe genannt werden.-Ad. verdeutscht die drei Gradus, durch : die erste,zweite und dritte Staffel. Allein Steigerungsstufe istbestimmter. 2. In der Sprache der Hochschulen bedeu-tet Gradus eine gelehrte Würde (Licentiaten - Ma-gister-Doctoruuirbe), eine Auszeichnung, welche ehe-mahls viel, in der Folge weniger galt, wahrscheinlichimmer weniger gelten und endlich vielleicht mit allem,was zum gelehrten Zunftwesen gehört, ganz abkommenwird, wenn niemand mehr Lust haben wird, etwas zukaufen, wovon er sieht, daß es in der größcrn bürger-lichen Welt nicht mehr geachtet wird. Es verlohnt sichdaher kaum der Mühe, auf eine Verdeutschung diesesWorts zu denken; sonst wären Lchrwürdc, fürdenGoc-ttorgradus, und Ehrengrad, für Gradus überhaupt,vielleicht nicht unwerkh in Vorschlag gebracht zu werden.Er wird, ehe er die hohe Schule verläßt, einen Ehren-grad annehmen. Man hat ihm dieLehrwürde, die geist-liche Lchrwürdc, die Lehrwürde der Rechte ertheilt."Von einem Goctor medicinae könnte man sagen: erhat die Würde eines ausübenden Arztes, oder die Be-fugnis!, das Recht, die Arzneikunde auszuüben erlangt.Eine graduirte Person wäre eine bewürdete.

Graecisiren, nach Grichifchcr Weife reden, GrichifcheSprach-eigenheiten einmischen. Man könnte vergrrchendafür sagen.

Gräcismus, eine Eigenheit der Grichifchen Sprache, die,wenn siez. B. einem Lateinischen Ausdrucke verliehen wird,diesen in einen Grichich - lateinischen verwandelt. Kl 0 p-sto ck gebrauchte (in einem ungcdruckten Briefe) dieVer-grichung dafür.

Grammaric, Franz. Grarnrnaire, die Sprachlehre oderSprachkunst. Aber nun das Beiwort grammatischoder grarnrnaticalisch? Hier muß ich abermahls, wiebei allen, die Künste und Wissenschaften bezeichnendenfremden Beiwörtern, denWunsch wiederholen (S. Aest-lietisch), daß man die veralteten, uns so unentbehr-lichen Ableitungen lehrig und künstig, wovon jenes nochin gelehrig lebt, und welche beide unserer Sprach-ähn-lichkeit (man denke an farbig, zünftig, brünstig, gün-stig u. s. w.) so vollkommen gemäß sind, wieder in Um-lauf zu bringen belieben möge. Für grammatischrichtig kann man sprachrichtig sagen.

Gram-