22. Frau Fric
welchen dergleichen Verbindungen eingegangen werden,niedrige und unangenehme Nebcnbcgriffc mit sich führt.Auch Brudersinu, welches Kinderling dafür angibt,ist mit Fraternite nicht ganz gleichbedeutend. Jenesdruckt nämlich nur die Gesinnung eines Bruders, die-ses aber auch, und zwar vornehmlich, die Aeußerungderselben aus.
Sollte nun Brüderlichkeit für brüderliche Gesinnungund brüderliches Benehmen gcbilligct werden: so könn-ten wir, nach ebenderselben Achnlichkcitsregel, auchSchwesierlichkeit für schwesterliche Gesinnung und schwe-sterliches Betragen bilden; ein Wort, für welches dieFranken selbst ein gleichbedeutendes weder haben, nochableiten können. Sie müssen daher, auch wenn vonWeibern die Rede ist, des innern Widerspruchs unge-achtet, gleichfalls krateenite gebrauchen. So hieß es"z. B. von einer Gesellschaft Pariser Frauen, die sich zuWerken der Wohlthätigkeit verbanden ■— la Societcphilanthropique et patriotique de bienfaisance etde bonncö moeurs ■— in der Bekanntmachung ihrerZwecke und Grundsätze: union et fraternite sera sadevise.
Fraudulenz, die Betrüglichkeit.
Frenesie, die ttnsinnigkeit, Verrücktheit, Himwuth,Tollheit.
Frequent, häufig, starkbesucht oder volkreich.
Frequentativum, in der Sprachlehre, ein Wort, wel-ches den Begriff, den es bezeichnet, mit dem Neben-begriffc der öfter» Wiederholung ausdruckt. Wollen wiretwa ein Wiederholungswort dafür sagen?
Frequemireu, besuchen und beiwohnen, z. B. einerVorlesung. Hier versteht sich das Wiederholen des Be-suches von selbst. Wo dieses nicht der Fall ist, da kön-nen wir es durch pflegen andeuten, z. B. er pflegt dasKaffeehaus zu besuchen. Daß dieses fremde Wort, wieStutz meinte, in der R. a. die Schule frequentiren,nur von einem solchen Schüler gesagt werden könne,der keine Stunde versäumt, kann ich nicht finden.
Frequenz, die zahlreiche Versammlung, der Zulauf.
Freseo oder ui fireseo mahlen, heißt wörtlich, aufs Fri-sche mahlen. Mau versteht aber darunter diejenige Artder Mahlerei, die bei einer frisch mit Mörtel bcworfe-„cn Mauer angewandt wird. Der Begriff frisch ist hierwesentlich; denn man hat auch eine andere Art von Mah-lerei auf schon alte und trockene Mauern, die aber nichtso dauerhaft als jene ist. Der Ausdruck Frischmahle-rei ist zwar nicht ganz, aber doch völlig eben so bestimmt,als jener fremde.
Friandise (svr. Friangdihs'), die Leckerei, Nascherei.
Fricassde, ein bekanntes Gericht aus kleingeschnittenemFleische. Man kann Eingeschnittcncs dafür sage».
Fricassiren , einschneiden, z. B. den Uebcrrcst einesKalbsbratens.
Friction, die Reibung, das Reiben.
Frip Fris
Fripori (fpr. Fripong), ein Schelm, Schalk, Gauner.
Friponnerie, die Schelmerei, Schalkheit, Gaunerei;auch Büberei, und in verkleinernder Bedeutung Bü-belei. Das Zeitwort dübeln gebraucht Log au, r. fürBübeleicn treiben überhaupt:
Wer im Geringen dübelt.
L. für Unzucht begehen:
Wenn im Schatten kühler MirthenSie sich kamen zu bewirthen,
Folgte nichts als lieblich Liebeln,
Folgte nichts als bübisch dübeln.
Ad. sagt zwar (Mag. i. Jahrg. IV. St. S. 57.) vonden Wörtern in eln und ihren Ableitungen: „daß siemit Verstände gemacht werden müssen, damit man nichtmit Logau ein Liebeln und Bübeln zum Vorscheinbringt;" allein ich kann diesen Wörtern das'Unverstän-dige, welches er sonach darin finden muß, nicht ansehen.
Friseur (fpr. Frisöhr), der Krausler oder Haarkräusler.Moritz machte über diese Verdeutschung folgende, zwarsinnreiche, aber nicht völlig gegründete Anmerkung: „Derfremde Ausdruck Friseur ist von C. durch Haarkräuslerübertragen. In der komischen Poesie (scherzenden Dicht-art), wo von geringfügigen Dingen oft mit einer gewis-sen angcnomiucnen Feierlichkeit die Rede ist, würde die-ser Ausdruck sehr gut zu gebrauchen fein. Wenn manaber im gemeinen Leben, statt Friseur, sich des Aus-drucks Haarkräusler bedienen wollte: so würde es an-fänglich immer scheinen, als wolle man den Lockenzau-berer zum Besten haben, weil man sein Geschäft mit ei-nem neuen, ungewöhnlichen Namen benennte, der so-gar, um es recht vollständig zu bezeichnen, aus zweiWörtern zusammengesetzt ist; dahingegen das ausländi-sche Friseur der Geringfügigkeit der Sache angemessenzu fein scheint, weil man sich bei den Bestandtheilen die-ses Worts nichts deutlich denkt, sondern nur im Gan-zen und gleichsam obenhin dcn Begriffdamit bezeichnet."Ich bemerke hiebci: i.daß der Deutsche Ausdruck nichtvon mir erst erfunden ist. Schon Stieler hat beide,Krausler und Haarkräusler; 2. daß es nicht nöthig ist,diese Deutschen Wörter, bevor siv das Ungewöhnlicheabgelegt haben werden, gegen den Haarkräusler selbstzu gebrauchen: es ist Anfangs genug, wenn es nur ge-braucht wird, wenn wir zu andern von ihm reden; 3,daß die Regel unsers Verfassers, welche unwichtige Ge-genstände nicht mit langen, zusammengesetzten und inihren Bestandtheilen Bedeutung habenden Wörtern zubezeichnen verbietet, durch tausend und mehr entgegen-gesetzte Beispiele, welche in unserer Sprache vorkommen,umgestoßen wird; indem wir oft die größten und erha-bensten — Gott, Welt, Meer, Geist u. s. w. durcheinsilbige, für uns, die wir das Entstehen dersel-ben nicht mehr kennen, höchstens nur vermuthen, ganzbedeutungslose Wörter, und hingegen die niedrigsten undkleinsten Gegenstände, — z. B. Wandlaus, Fliegcn-
schnep-
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