Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
15
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Fili

Filo

Fina

IZ

Wort fand , aüs leicht begreiflichen Gründen, allgemek-nen Beifall , und kam schnell in Umlauf. Der erste,welcher sich dagegen auflehnte, war mein Freund Trapp.Dieser zeigte (in derBerl.Monatsschrift), wie unschick-lich, und zugleich wie bedenklich in sittlicher Hinsicht essei, das edle Worr Freude, dessen wir zur Bennenungunserer reinsten sittlichen Vergnügungen nicht entbehrenkönnen, in eine ZusammenseHung zu bringen, womitman eine Klasse von Geschöpfen bezeichnen will, welcheauf Sitksamkeit und weibliche Tugend Verzicht gethanhaben. Er schlug, diesem zufolge, vor, statt Freuden-mädchen Lustmädchen zu sagen, weil wir durch Augen-lust, Fleischeslust u. s. w. schon gewohnt waren, bei Lustan sinnliche Lüste zu denken. Ich fragte hierauf in derPreisschrift: was denn das eben so unschuldige und ed-le Wort Mädchen verbrochen habe, um zu einer Mist-verbindung milLust vcrurtheilt zu werden? Sollen wir,sagte ich, zugeben, daß geschändete Personen eben densüßen Namen führen dürfen, den wir mir Rührung auö-zufprcchen gewohnt sind , wenn wir unsere keuschen Brau-te, unsere ehrsamen Gattincn, unsere unschuldigen Töch-ter damir belegen? Zugeben, daß daS schändliche Ge-werbe feiler Dirnen durch ein edles Wort, erst in unse-rer Sprache, dann in unserer Vorstellungdas einezieht ja oas andere unvermeidlich nach sich - geadeltwerde? Diesem gemäß trug ich darauf an, daß manLustdirne sagen möchte; weil das Wort Dirne schon inden älteste Zeiten (S. A d.) gleichbedeutend mit H** war,und auch noch jetzt, wenigstens in N. Deutschland, inherabwürdigender Bedeutung genommen wird. Verschie-dene gute Schriftsteller, z. B. Hennings in demWerkchen über den Einfluß der Hofhaltungen, undCatel in dem Worterbuche der Academie, nahmendiesen Vorschlag an, und gebrauchten Lustdirne; alleinmeinem verewigten Freunde S t u » e (auch Knigge'n)schien das Wort Lust noch nicht unedel genug zu sein.Erster schlug Buhldirne vor. Ich selbst gebe diesemAusdrucke vor dem mcinigen den Vorzug.

Stutz, dem die Zusammenstellung Lustdirne auchnoch zu mildernd und zu edel dünkte, weil Lust jedessinnliche Vergnügen, auch das unschuldige, bezeichne,und Dirne, in einigen Gegenden wenigstens, jedes Mäd-chen ohne Unterschied und 'ohne herabsetzende Nebenbc-griffc bedeute, schlug vor, wenigstens eins von den bei-den Wörtern, woraus die neue Zusammensetzung be-stände, mit einem andern zu vertauschen, welches Ab-scheu ausdrucke, und dem zufolge entweder Feilmenfch,(die Fcilmenscher), oder Feildirne zu sagen. Widerden Bau dcS Worts, setzte er hinzu, wäre nichts auf-zubringen: weil es gar nicht ungewöhnlich sei, Sach-wörter mit Nebenwörtern zusammenzusetzen. Er beriefsich hicbci mit Recht auf Faulweide, Fortgang, Nc-benstunde, Wohlstand, Aberglaube, Mißgeburt u. s.w. Er hätte aus Frisch'ens Wörterbuche sogar eine

Zusammensetzung dieser Art mit feil selbst Feilbacker anführen können. Gegen die Art der Zusammense-tzung wäre also freilich nichts zu erinnern. Allein daich aus Gründen, die ich nicht erst anzugeben brauche,weil sie jedem Nachdenkenden von selbst einleuchten, wün-schen muß, daß man das Wort Mensch »ie anders,als in einem guten und würdigen Sinne gebrauchenmöge: so kann ich dem Ausdrucke Feilmcnsch meineStimme nicht geben. Feildirne hingegen scheint mireben so untadclhaft, als Buhldirne zu sein.

In Frankreich hat man angefangen, statt fille dejoie , den Ausdruck femme du monde, Allcrwelts-weib, zu gebrauchen.

Filou (spr. Filuh), ein listiger Betrüger, Bcutelschnci-der, Spitzbube (ursprünglich so viel, als spitzer oderfeiner Bube) und Gaudicb, ursprünglich so viel, alsSchnelldieb oder gewandter, von dem N.D. gau, schnell.

Filouterie, Bcutelschneiderci, Spitzbüberei, Dieberei.

Filtriren , durchseihen, oder durchseigen. Dis letzte soll,nach A d. (ungeachtet es auch in der Bibel vorkommt),nur in den grobem Mund-arten, selbst im Hochdeut-schen, vorkommen. S. dessen Wörterbuch, unter Sei-hen. Ich verstehe diese Worte nicht. Denn nach Ad.eigenem Sprachgebrauchs, ist Mund-art Dialect, unddie verschiedenen Unter-arten, die unter jeder Mund-artbegriffen sind, werden sonst Sprech-arten von ihm ge-nannt. Es hätte also wenigstens in den gröbcrn Sprech-arten heißen müsseri. Aber nun auch eine gröbereHochdeutsche Sprech-art? Hier soll Hochdeutsch so vielals Dbcrsachslsch heißen. Nach meiner und anderer Mei-nung gibt es eine H. D. Sprache (die w>r aber freilichbesser die Deutsche Sprache nennen würden), aber kei-ne solche Mund-art, und keine solche Sprech-art.Mund-arten zählen wir nur drei, die Oberdeutsche,Niederdeutsche und Mitteldeutsche. Die ObersachjhcheSprech-art gehört zu der letzten.

Filtrum, ein Seihetuch; im menschlichen Körper ein Ge-fäß znr Absonderung der Säfte, also ein Seihegefäß.Wir haben aber auch das einfache Sachwort Seiher oderSeiger dafür.

Final oder Finale, der Schluß, das Ende. Also Fi-nalbeschlüsse sind Endbeschlüsse; eine Finalleiste (inder Druckerei) eine Schlußleisie. In der Tonkunst istFinale ein Schlußstück, oder Schlußgesang, wodurchdas Tonspiel, besonders bei Schrrzstngestücken (komischenOpern), gecndigek wird.

Finanzen. Ehemahls hatte dieses Wort, so wie das da-zu gehörige Zeitwort Finanzen. und der Finanzer(Financier) eine gar schlimme Bedeutung. HansSachs setzt Wucher, Finanz und Schinderei in EineReihe; un0 Luther halte in oen frühern Bivelausga-bcnRöm. i . 30. das Wort xarxrt , wofür er in der Fol-ge Schädliche setzte, durch Fynanzer (Praklikenmachcr)übersetzt. S. Heynutz 'ens Bnese , die Deutsche

Spra-