Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

Fili

Figu

wo man nur verstanden sein will,, ohne gerade auf dasGemüth der Zuhörer wirken zu wollen, nicht zu habenpflegen. Belebung also ist hier, wie dort, die Absichtder Figuren. Und so wie der Mahler die menschlicheGestalt, weil sie die schönste und vollkommenste von al-len ist, vorzugsweise Figur nennt, ungeachtet in Grun-de auch die unbelebten Gegenstände, die er abbildet, dieBäume, Felsen, Wolken, Hütten u. s. w., so gut alsder menschliche Körper ihre eigene Gestalt oder Figur ha-ben: so hat man auch in der Redekunst, nicht jede,sondern nur die schöneren, die belebenden Formen undGestalten der Wörter und Wörterstellungcn Figuren zunennen beliebt. Man sieht, daß der Name Figur, we-der hier noch dort, auf etwas wesentliches in der Sachedeutet; weder hier noch dort der Sache eigentlich oderausschließlich zukommt; also selbst eine Figur ist. Hal-ten wir uns also an dem, was in beiden Fällen wesent-licher ist. Dis ist der Zweck der Figuren die Bele-bung. Wie wenn wir nun (auch nach einer Figur) die-sen Zweck statt der Mittel nennten- und das fremdeWort Figur, als Kunstwort genommen, durch Belebungverdeutschten? Also z. B. sagten: die Anapher gehört zuden rednerischen Belebungen; das Wort Aufklärung wirdnach einer, jetzt sehr gebräuchlichen und. schicklichen Be-lebung für Belehrung gesetzt; denken ist ohne Zweifel,wie alle Ausdrücke, etwas geistiges bezeichnen , ein un-eigentliches Wort, welches ursprünglich irgend eine sinn-liche, dem Denken ähnliche Handlung bezeichnete,, undwelches man dicserhalb von jener, aus dieses durchweineBelebung übertrug. Da, wo man ohne nähere Bestim-mung nicht verstanden zu werden besorgen.müßte, könn-te man auch Redebelebung dafür sage». Würde nundieser Ausdruck für Figur, als Kunstwort, beliebt, sowürden wir auch das Beiwort figürlich durch belebendverdeutschen, und;'. B. das Wort wird hier belebendoder in belebendem Sinne genommen, und es ist einbelebender Ausdruck, sagen können. Sonst haben wir,für figürlich, auch die Ausdrücke uneigentlrch und ver-blümt. Ich wünsche, daß man diesen Vorschlag ei-ner genauern Prüfung würdigen möge.

Figuration. S. Figur.

Figurant. So nennt man, i. bei Schautänzen (Ballfets)diejenigen Tänzer, welche nicht einzeln, sondern nurtruppweise tanzen, also nur zum Ausfüllen dienen; 2.Schauspieler, die eigentlich keine Rolle, wenigstens kei-ne, wobei gesprochen wird, zu spielen, haben, sondernnur mit auftreten müssen, um eine Lücke auszufüllen; 3 ,einen unbedeutenden Geschäftsmann, der zwar in dcrGe-sellschaft anderer Geschäftsmänner seinen Platz einnimmt,aber wenig oder gar nicht mitarbeitet. Wir können Nc-bentanzer, Nebenspielcr, stumme Person und Lücken-büßer dafür sagen.

Figuren, in derjenigen allgemeiner» Bedeutung genom-men, in welcher das Wort, z. B. in der Größenlehre

Figu

genommen wird, kann man durch Gestalt, Bild undZeichnung ersetzen. Hier ist die Gestalt oder das Bildeines Drei-ecks, eines Würfels u. s. w. Anfangsgrün-de der Erdmcßkunst, mit Zeichnungen u.s. w.

Auch der Tanzmeister redet von Figuren, und meintdie Gestalten und Formen, welche durch die Tanzendenauf dem Fußboden beschrieben werden. Man könnteTanzformen (das Wort Form halte ich für eingebür-gert, weil es nicht, wie Figur, unsere Sprach-ähnlich-keit verletzt), oder auch Zanzbilder dafür sagen; so wieman diejenigen Gestalten, welche die Einbildungskraft indem Zusammensein mehrer Sterne erblickt, Sternbildernennt.

Figuriren, in die Augen fallen^ hervorstechen, sich aus-zeichnen, eine Rolle fpielcm Zuweilen meint man aberganz das Gegentheil, wie wenn man sagt: erügnrirt bloß;er ist bloß zum Figuriren da. Das will sagen:'er istbloß dazu da, eine Lücke auszufüllen; er ist ein bloßerLückenbüßer. S. Figurnut. In der Sprache der Hand-werker findet sich passig f. kgurirt. S. A d. ..Eh).e Ms-sigc Kaffeekanne. Etwas passig drehen.

Figorirc, in der Tonkunst, verziert, besonders von .denVerschönerungen und Laufen beim Vortrage der Singe-musik; wird besonders demPlein - chant (dem einfa-chen Gesänge oder) dem Ehpralgesange entgegengesetzt.Esch en b u rg.

Filet (spr. Filah). K i n d e r l i n g hat Nehgewebe dafürangesetzt. Allein der Begriff des Webens gehört wolnicht hieher. Eher Netrkanten. Sonst,..könnte man auchKnötchenkanten, oder Knötchenspitzcn sagen; nur daßdiese letzten Wörter etwas schwerfällige sind..

Filial; 1. als Beiwort, kindlich. Dis Deutsche Wöribezieht sich, wie jenes,'auf beide Geschlechter, aufSohn«nd Tochter. Unsere Sprache erlaubt uns aber (wasmit der Französischen nicht der Fall ist), für jedes Ge-schlecht, sowol von (Lohn, als auch von Tochter, einbesonderes Beiwort zu bilden: söchnlich und tochsirkich.Ich will keinen Dietrich zum Wesen und Dasei» Got-tes suchen; denn ich brauche meinen Vater nicht zu ana-tomiren (zu zergliedern), um d.ahinlq^zu kommen, daßich sein Sohn bin, und ihm söhnlichen Gehorsam er-weisen muß." Baggesen. 2. Als SachworteineTochterpfarre oder Nebenpfarre, in Gegensatze der Mar-ter, d. i. der Mukterpfarrc oder Hauptpfarre.

Fille de joie (spr. Fillj.Zoq). ,^Es machte'uii'ßernSitten Ehre, daß wir lange keinen Teutschen Ausdruckfür diesen Französischen hatten, welcher sich in Gegen-wart wohlgezogener Menschen aussprcchen ließ. Alleinbei zunehmender Nachahmung der Feinheiten-unscrerNachbaren, stellte sich endlich auch das Bedürfniß beiuns ein, ein solches linderndes Wort zu besitzen; undda hatte jemand den unseligen Einfall, uns mit einerwörtlichen Uebersctzung jenes Französischen Ausdrucksdurch Freudenmädchen an die Hand zu gehen. Dis

Wort