Fact
Facc
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gangbar. Nur Ad., der das Neu« in der Spracheüberhaupt nicht liebt, erklärte sich dagegen, allein mitGründen, die mir nicht bündig zu sein scheinen. „DieWörter, Thatsache und Thathandlung, sagt er, sindnicht nur unschicklich und zvider die Analogie (Aehnlich-keitsregcl) zusammengesetzt, sondern auch der Mißdeu-tung unterworfen, indem ein Oberdeutscher sich dabei,dem ersten Anblicke nach, vermuthlich nichts anders,als eine Gewaltthätigkeit, eine Thätlichkeit gedenkenwird, welches Thathandlung daselbst wirklich bedeutet."S. Wörterb. unter Thatsache. Allein dieser Grund darfuns nicht abhalten, dem Worte Thatsache (über That-handlung nachher) diejenige allgemeinere Bedeutung bei-zulegen, wozu der H. D. oder allgemeinere Gebrauchder beiden Wörter That und Sache berechtiget; dennsonst müßten mehre gute Ausdrücke, die in einigen Ge-genden Deutschlaudes in der Volkssprache eine ganz an-dere Bedeutung, als im H. D., haben, gleichfalls ver-worfen werden; z. B. begeistern, welches in der N. D.Sprech-art (S. Brcm. Wörterb.) so viel als besudeln,vermuthlich durch Verwechslung mit begeifern, bedeu-tet; niederträchtig, welches in der Volkssprache ver-schiedener Gegenden eben so viel, als herablassend undleutselig, ist, u. s. w. Aber That soll, wie A d. unrerden Bedeutungen dieses Worts anführt, selbst in unse-rer Schriftsprache eine gewaltsame und böse Handlungbezeichnen! Dis muß ich bezweifeln. Jene Bedeutunghat das Wort nicht für sich selbst — man kann vielmehreben sowol von guten, als bösen, von stillen, unbe-merkten, liebenswürdigen, als von gewaltsamen undgräulichen Thaten reden. Die nähere Bestimmung gibtentweder ein damit verbundenes Beiwort an, oder siewird durch das Zeitwort ausgedruckt, indem man z. B.von bösen Thaten begehen, von guten hingegen thunoder verrichten gebraucht. Im Allgemeinen scheint Thatvon Handlung nur dadurch unterschieden zu sein, daßjenes eine wichtigere, folgenreichere und mit größererKraftanwendung verbundene Handlung bezeichnet. Daßaber das Wort Thatsache „unschicklich und wider dieSprach-ähnlichkeit zusammengesetzt sein soll", kann ichvollends gar nicht finden. Denn i. haben wir ja in un-serer Sprache Zusammensetzungen genug, in welchen daseine von zweien, in dem Urfalle (Nominativ) miteinander verbundenen Sachwörtern, die Stelle einesBeiworts vertritt, um das andere genauer zu bestim-men, z. B. Machtsvruch, Nachtlampe, Birnbaum,Bocklamm u.s. w.; und 2. haben wir selbst von denbeiden Wörtern That und Sache Zusammensetzungendieser Art, die, so viel ich weiß - jedermann für gül-tig erkennt, z. B. Thatkraft und Geldsache. Ich kanndaher nichts stnden, worauf der Vorwurf der Sprach-widrigkeit bei diesem Worte sich gründen mag. SollteAd. etwa das Wort und die ihm beigelegte Bedeutungnicht zu einander passend gefunden haben, wie der Aus-
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druck unschicklich allenfalls verlluilhcn läßt: so wurdeer mir auch hierin zu irren scheinen. Wenn wir eineHandlung ein Factum nennen, so betrachten wir siewirklich als eine Sache, als Sache für sich, als einebestehende, fortdauernde Sache, die nun von allenSeilen betrachtet und beurtheilt werden kann. Wir be-stimmen nun aber näher, was für eine Sache wir mei-nen, nämlich eine solche, die in einer Handlung oderThat besteht; also eine—Thatsache. Ich wüßte nicht,wie wir genauer und deutlicher reden könnten.
Mit Thathandlung verhält es sich anders. Hier sindzwei Wörter, die im Allgemeinen einerlei Bedeutunghaben, mit einander verbunden, nur daß dem einen.That, die Bedeutung des andern, Handlung, mit denoben angezeigten Nebcnbegriffcn zukommt. Hieraus scheintwirklich eine eben so unschickliche Zusammensetzung zuentstehen, als wenn man etwa Buch und Werk (einBuch von etwas beträchtlichem Umfange) in Ein Wortzusammenziehen und Werkbuch oder Buchwcrk sagenwollte. Thathandlung muß ich also selbst für verwerf-lich erklären.
Statt Factum pflegt man auch res farti zu sa-gen; diö hat unser Deutsches Thatsache veranlaßt. J)efacto , sofort, ohne weitere Umstände. <— Mit Vergnü-gen finde ich, daß auch Hcynatz in dem kürzlich er-schienenen zweiten Bande des Antibarbarus in seinemUrtheile über den Ausdruck Thatsache mit mir überein-stimmt.
FaettLS (fpr. facktihß'), gemacht, erkünstelt. La v aterhat erlernte Große; wofür mir doch erkünstelte, ange-nommene oder erlogene besser gefallen würde.
Factiou, eine Partei. Dis ist zwar auch ausländischenUrsprungs, und stößt durch seine Betonung gegen un-sere Achnlichkeitsrcgel an; allein es scheint, daß bei denWörtern in ei eine allgemeine Ausnahme in unsererSprache angenommen sei, indem bei allen diesen Wör-tern (z. B. bei Flegelei, Rednerei, Türkei u. s.w.)dieletzte oder Ableitungssilbe immer den Ton hat. In derVolkssprache indeß hat man doch das Wort (vermuth-lich dieses Umstaudes wegen) lieber in Part verwandelnwollen. Der andere Part. Der Gcgenpart. — Warumwol viele, sogar gelehrte Deutsche Schriftsteller, welchedoch wissen, daß das Work von pars, partis her-kommt, es noch immer Parthci, und nicht Partei schrei-ben mögen?
Factiös, Franz, fartieux, ausrührisch.
Factisch, thätlich oder thatsächlich. Beide hatte ich, alsvon mir gebildete Wörter, in meine Sammlung einge-tragen, als ich in Hepnatz'cnS Antibarbarus folgen-des Urtheil darüber fand: „Das juristische Wort Fac-tisch läßt sich sehr gut durch thätlich oder thatsächlichausdrücken."
Factor., den Ton auf det ersten Silbö, eine der beidenZahlen, die mit einandermultiplicirt tvcifcfn, derBcr-A s viel-