Druckschrift 
Reise-Berichte über Rinderpest, Bubonenpest in Indien und Afrika, Tsetse- oder Surrakrankheit, Texasfieber, tropische Malaria, Schwarzwasserfieber
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106

sind, durch ihre giftigen Stoffwechselprodukte die charakteristischenFieberanfälle auszulösen.

In allen zuverlässig beobachteten Fällen, wozu ich in ersterLinie Malariaerkrankungen auf Schiffen rechne, welche nur ganzkurze Zeit mit dem Lande in Berührung gekommen sind, betrugdas Inkubationsstadium 10 bis 12 Tage. Ein glücklicher Zufallhat es gefügt, dass ich die verhältnissmässig geringe Zahl von der-artigen Beobachtungen um eine vermehren kann, welche mir wichtiggenug erscheint, um sie diesem Berichte einzufügen. Ich verdankedieselbe Herrn Dr. Spillcer, Stabsarzt der Marine auf S. M. S.Condor

Am 10. März 1897 ging derCondor an der Grenze zwischenDeutsch- und Britisch-Ostafrika in der Moa-Bucht vor Anker undschickte am 11. März Abends zwei Boote mit einem Officier undzehn Mann an Land. Die Boote fuhren einen Fluss hinauf, der vonMangrovensümpfen umgeben ist und die Mannschaft musste in derNähe der Flusses übernachten. Am 23. März, also 11 Tage nachdieser Expedition, erkrankten fast gleichzeitig am Nachmittag vierMann und zwei Tage später noch zwei Mann von der Besatzungder Boote an typischer Malaria. Ganz interessant ist es noch, dassdie Leute am Abend der Expedition 1,0 g Chinin und am nächstenMorgen noch 0,5 g prophylaktisch erhalten hatten und dass dadurchdie Malariaerkrankung nicht verhütet wurde.

In Bezug auf die Art der Entstehung der tropischen Malariabin ich zu keinen beweisenden Ergebnissen gelangt. Ueber Ver-muthungen kommt man vorläufig noch nicht hinaus. Aber die Zahlder Möglichkeiten, welche hierbei in Frage kommen, wird doch mitder zunehmenden Kenntniss vom Wesen der Malaria immer mehreingeschränkt, und es können zur Zeit nur wohl noch zwei Faktorenals Vermittler der Infektion, wenigstens für die tropische Malaria, ernst-lich in Betracht kommen. Es ist dies die Uebertragung der Infektions-keime durch das Trinkwasser und durch Mosquitos. Je mehr ichmich mit dieser Krankheit beschäftige, um so mehr neige ich michder Ansicht zu, dass die letztere die hauptsächliche, wahrscheinlichdie einzige ist. Wohin man sich auch wendet, überall findet manein örtliches und ein zeitliches Zusammentreffen in Bezug auf dasVorhandensein der tropischen Malaria und der Mosquitos.

An der Küste kommen vereinzelte Oertlichkeiten vor, welche