15
Ferner möchte ich auch darauf aufmerksam machen, dass unterden drei in Taungs obducirten Tliieren eins an Texasfieber gelittenhat, wie sich schon am nächsten Tage bei der Blutuntersuchungherausstellte. Um bei Experimenten mit Rinderpest etwaige Irr-thümer, welche sich durch Kombination mit Texasfieber ereignenkönnten, zu vermeiden, wird daher das Blut aller Thiere, welchezu meinen Injektionsversuchen benutzt werden, auf diese Krankheithin untersucht.
Bei den bisherigen Beobachtungen über die hiesige Rinderpesthat sich herausgestellt, dass die Erscheinungen in einigen Punktenvon den Schilderungen früherer Beobachter etwas abweichen. Sosind die exantliem- und diphtheritisartigen Veränderungen derSchleimhäute des Maules und Gaumens nur wenig ausgesprochengefunden, dagegen sind die frühzeitigen krankhaften Veränderungenim Darm recht bedeutend, ferner wurden bei 10 Obduktionen dreimalfibrinös-blutige Abscheidungen der Darmwand beobachtet. Dieselbenhatten zusammenhängende bis 1 Meter lange Gebilde erzeugt, welchewurstförmig einen vollkommenen Abguss der Darmwand darstelltenund einen engen mit dünnflüssigem Darminhalt gefüllten Kanal ein-schlossen. Die genannten Gebilde lagen frei im Darm und bestan-den aus abgelöstem Darmepithel, festen fibrinartigen Massen undBlut. Worin diese Verschiedenheit begründet ist, ob in klimatischenVerhältnissen oder der Rasse der Thiere, vermag ich nicht zu sagen;im Uebrigen stimmen aber die Krankheitserscheinungen mit denender echten Rinderpest so vollkommen überein, dass an ihrer Identitätnicht zu zweifeln ist.
Die von Burdon - Sanderson in den letzten englischen Epi-demien gemachte Entdeckung, dass der Beginn der Krankheitschon mehrere Tage, bevor augenfällige Symptome eintreten, durchdie Temperatursteigerung erkannt werden kann, konnte in jedemeinzelnen Falle, der auf der Untersuchungsstation zur Beobachtungkam, bestätigt werden. Es ist dies eine Thatsache von der grösstenWichtigkeit, nicht allein für die experimentelle Untersuchung, son-dern auch für die Praxis, da man auf diese Weise den Beginn derKrankheit schon zu einer Zeit erkennen kann, wo noch keine an-steckenden Ausscheidungen erfolgen und wo das an Rinderpestkranke Thier also noch nicht anstecken kann.