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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
335
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Wir begreifen nun, wie Calvin als Pamphletär mit seinerangenommenen Geringschätzung des Bildes so weit hinter seinemNebenbuhler zurück blieb. Beide haben Päpste und Kaiser angegriffen.Der Eine konnte sich mit seinem nüchternen Styl nicht bis zur Carri-catur erheben, während der Andere mit seinem sprühenden Zorne einigegroßartige Gemälde entwarf. Man muß ihnen in ihren Streit mitClemens VIII. und Paul III. folgen. Da handelt es sich darum, dasPapstthum in seiner menschlichen Personisication zu beschimpfen. Cal-vin rührt die Gosse auf und wirft den Koth dem Papste an den Kopf,wie Crespin, der theologische Buchbinder von Genf; Luther aber ruftjene großartige Gestalt der Bibel, welche man den Teufel nennt, zuHilfe, und läßt ihn in dem Leibe des Stellvertreters Jesu Christiwalten. Der Teufel ist in all seinen Duellen sein gewandter Sekun-dant, ein Secundant, der alle Gestalten annimmt, ein Seraphim, eineKröte, eine Schlange, ein blutiges Gespenst, ein Engel und ein Menschwird. Satan erscheint auch in dem Werke Calvin's, aber von solchemDunkel umhüllt, daß man nicht errathen kann, ob er ein wirklichesWesen, oder ein Blendwerk ist.

Luther blieb in seinen Kämpfen gegen den Katholicismus beständigein Legendenschreiber; Calvin scheint alles Wunderbare zu verwerfen:das Blut des Rationalisten rinnt in ihm.

Selbst die Syntax gewährt bei den beiden Reformatoren einenganz verschiedenen Anblick. Luther ist der König seines Styls. Gleichnach seinem ersten Kampfe mit Tezel, als er, um sich verständlich zumachen, genöthigt war, die Sprache der Klöster anzunehmen, wandteer eine Redeweise an, die ihm eigen ist, und weder dem hl. Thomasnoch dem Cicero angehört. Er erfindet und schafft; sein voetoroullm,sein bmnotiilns, sein pei-ckiabullis, findet man weder in Varron, nochin Scotus. Später unternimmt er es, Griechisch und Hebräisch zustudiren, spricht in deutscher Sprache zu seinen Zuhörern, und bleibtselbst bei seinem orientalischen Redcschmuck immer deutsch. Der Mönchbleibt auch in der Sprachweise der Sätze, welche er an die Mauernder Allerheiligen-Kirche heftete, Demagoge: er behandelt das Wort wieden Papst: für ihn gibt es keine Krone.

Calvin redete während seiner theologischen Laufbahn in zwei Spra-chen; zuerst Latein, dann Französisch. In diesen beiden Sprachen hatseine Rede beinahe immer das gleiche Ansehen. Man sieht, daß er Rommehr als Scholiast, denn als Künstler studirte. Er ist der CicisbeoSeneca's des Philosophen; er folgt ihm überall nach, begeistert sich anibm, denkt mit ihm und schreibt mit ihm: cs ist dieselbe Kunst, dasselbe