Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

Augen und nach seiner Angabe das genannte Testament in der Formund den Ausdrücken, wie vorsteht, verfaßt worden sei; worauf er michbat, ich solle in seiner und der genannten, hiezu gerufenen und erbe-tenen Zeugen Gegenwart das Testament verlesen, was ich mit lauterStimme Wort für Wort that. Nach diesem Verlesen erklärte er, daßdieses sein Wille und seine letzte Verfügung sei, und daß er wünsche,man solle dieselbe genau beachten. Zu größerer Bestätigung dessenbat er die genannten Zeugen, daß sie sich mit mir unterschreiben möch-ten, was auch geschah im vorbemerkten Jahre und Tage, zu Genf,in der Domherrnstraße, im Wohnhause Calvin's. Zur Beglaubigungdessen und zum rechtsgiltigen Beweis habe ich dieses Testament inobiger Form verfaßt, um es dahin zu befördern, wo es hin gehört,und habe unter das Gemeindesiegel unserer geehrten Herrn und Obernauch mein gewöhnliches Handsiegel gesetzt."

Gezeichnet: P. Chenelat."

Ein Papst, welchen Calvin behandelte, wie Luther den KönigHeinrich VIII. behandelt hatte, indem er sein Angesicht mit Koth be-warf, ist Paul III., welcher sterbend seinen Feinden vergab, nachdemBeispiele Jesu Christi am Kreuze. Wenn ihr den letzten Augenblickenunserer katholischen Ruhmeszierden beigewohnt habt, werdet ihr gesehenhaben, daß sie mit dem letzten Hauche immer ein Wort der Liebe fürDiejenigen äußerten, welche ihnen im Leben Uebles thaten: ohne die-ses evangelische Verlangen würde nie ein katholischer Priester zu einerSeele sagen:piotieiseere aiiiins ollristigiin." Als Calvin's Stundegekommen war, verzieh er Niemanden. Oder würde wohl Beza, wel-cher die letzten Augenblicke seines Freundes beschrieb, vergessenhaben, die Worte des Mitleids zu berichten, die er ausgesprochenhätte?

Am 27. wollte Calvin, da sich das Nebel verschlimmerte, von denRathsherrn Abschied nehmen;die guten Herrn," so erzählt der Ge-schichtschreiber,ließen ihm aber sagen, sie bitten ihn dringend, daß erwegen seiner so großen Schwäche und Unpäßlichkeit, sich diese Mühenicht aufladen möchte; daß sie aber alle insgesammt zu ihm kommenwürden: was sie auch thaten. Als sie von ihrem Rathszimmer weg-gingen, begaben sie sich in ihrer gewöhnlichen Ordnung in die Woh-nung Calvin's." Da sammelte der Reformator seine Kräfte zu-sammen, die zu erlöschen drohten; er schilderte den Anwesenden noch