Grundsätze, welche zur Zeit unserer Revolution bis zum Eckel neu auf-gewärmt wurden. Wenn man die Pamphlete vom Jahre 1793 liest,findet man über das Priesterthum, die Ehelosigkeit der Geistlichen undüber die Klöster dieselben Ansichten, und sogar mit den nämlichenWorten ausgesprochen, deren sich Calvin bediente.
Es gab in diesen Klöstern Gemüther, welche die Strenge desKlosterlebens nur aus menschlichen Beweggründen angenommen hatten,und die nur im Kloster blieben, weil die Welt sie mit Verachtunggestraft hätte für das Zerreissen der Bande, die sie für heilig hielt.Als man ihnen aber predigte, diese Gelübde binden das Gewissennicht; Christus habe nirgends eine Vorschrift zur Enthaltsamkeit gege-ben, und es gebe in der Welt, deren Vorurtheile sie fürchteten, weiseLeute, welche bereit seien, sie zu vertheidigen und in Schutz zu neh-men: da trieb sie ein brennender Durst nach Freiheit aus dem Klo-ster. Kaum hatten sie die Luft der großen Städte cingeathmet, wur-den sie völlig trunken und überließen sich allen Aufregungen des Flei-sches. Sie waren die eifrigsten Missionäre der Reformation: inmännlichen und weiblichen Gewändern wahre Versucher, die keineandere Freude kannten, als wenn sie ein armes Mädchen, oder einenJüngling verführen konnten, welcher sich kurze Zeit vorher Gott ver-lobt hatte. In Genf benutzte man diese Renegaten dazu, daß mansie auf das Land schickte. Sie verdankten es ihrer mystischen Sprache,daß man ihnen die Klesterthore öffnete, und dann begannen sie dieRolle des gefallenen Engels zu spielen. So oft eine Seele hinter-gangen wurde, so oft ertönten Frcudengesänge und gingen Botschaftenan den Reformator. Bisweilen geschah es auch wohl, daß der Blickeiner alten Klosterpförtnerin, oder eines Bruder Pvrtners die Arglisterregte; dadurch ließ sich aber der Versucher nicht entmuthigen: er warfim Nothfalle Pergamentblätter, welche denjenigen glichen, die man inGebetbücher legt, und die ganz voll waren von verfälschten Schrift-texten gegen das Gelübde der Keuschheit, und noch öfter gegen denPapst, in den Garten des Klosters, oder schob sie unter dem Sprach-gitter ein, oder legte sie unter den Betstuhl der Kapelle.
Folgende Zeilen, welche wahrscheinlich in Lyon gedruckt wordensind, fanden wir auf der Bibliothcke in Mainz.
„Der hl. Apostel Paulus will, daß die Kinder eines christlichenBischofs von guten Sitten und von der Furcht Gottes recht durch-
I) Plank, Geschickte der Entstehung des protestantischenS. 83.
Lehrbegriffs.
Bd. IV.