nen, daß ihr euch alle Mühe gebet, die begangenen Fehler zu ent-schädigen, und alle Räubereien und Plünderungen überall zu ver-hindern. Eher müßte man solche Leute verlassen, und sich von ihnentrennen, als daß man das Evangelium solcher Schande aussetzte,und sich mit ihnen verbände. Es ist schon ein unzeitiger Eifer-gewesen, die Verheerungen anzurichten, die man in den Tempeln ge-macht hat; was jedoch in der ersten Hitze, und mit einer gewissen An-dacht geschah, werden gvttesfürchrigc Leute nicht strenge beurtheilen.Was kann man aber von dieser Beute sagen? Unter welchem Anspruch kannes erlaubt sein, zu rauben, was keiner Privatperson gehört? WennRäuber strafbar sind, ist es ein doppeltes Verbrechen, ein öffent-liches Gut zu stehlen. Wenn ihr daher nicht von allen guten Leutenverabscheut und verachtet werden wollt, so befehlet, daß diese Ver-gehen gut gemacht werden; denn wenn ihr noch ferner zögert, befürch-ten wir sehr, daß ihr keine Zeit mehr dazu finden werdet. Dazubitten wir Gott, daß er euch mit seinem Geiste leite, euch Klugheitschenke, euch in Allem zu Recht und Billigkeit antreibe, und euchstärke mit Tugend und Standhaftigkeit, damit die Strafe, die euchtrifft, nicht nutzlos sei; sondern unsere Lehre Früchte bringe, und derName Gottes geheiligt werde."*)
Unstreitig ein schöner Brief, für den wir Calvin achten müssen!Es ist nur ein Unglück, daß Derjenige, welcher ihn geschrieben hat,stille schwieg, als er die Greuel sah, deren sich die Reformation inGenf schuldig machte. Warum hat er damals nicht gegen die Plün-derung von St. Peter, gegen die Beraubung des bischöflichen Pala-stes, gegen die Zertrümmerung der Kreuze, gegen die Verheerung derKlöster protestirt? Er hat alle diese Saturnalien mitangeschen undwurde nicht gerührt! Bat er auch nur um ein wenig Brod fürdie Priester, deren Stelle und Lager er einnahm, und die inChambery vom Almosen lebten? Ist seine Wohnung nicht ganz von denGeräthschaften eingerichtet worden, die von den Klöstern de Rive undder hl. Klara geraubt wurden?
Dieses Schreiben ist das Werk eines Politikers und nichts mehr.Calvin weiß wohl, daß die Reformation in Lyon nicht durch diePlünderung der Kirchen den Sieg davon zu tragen vermag, und erbeeilt sich, die Zerstörer zu tadeln. Die Soldaten des Baron desAdrets sollen es nur machen, wie jene des Amtmanns von Bern im
1) Iwttres U«mus. Libliotkegue cku roi, coli, vupu;-, vol. 101 — 102.