wurde in Rom mit Enthusiasmus ausgenommen, und setzte die ganzetheologische Welt in Bewegung. Das war ein seltsamer Streit des Für-sten mit dem Mönche. Gabriel de Saconay hatte sich vorgenommen,die Schrift des Königs von England theilweise abzudrucken, das Werkunter den Katholiken zu verbreiten, und bis in die Hauptstadt der fran-zösischen Reformation zu bringen. Er machte sich an's Werk und seineArbeit war bald vollendet.
Diese Schrift erregte den Zorn Calvin's. Saconay griff den Refor-mator nicht an wie Heinrich VIH. den Luther: er hatte sich in derVorrede seines Buches gegen die Ketzerei erhoben, ohne ein Wort vonJohann von Noyon zu sagen; aber Calvin konnte es nicht ertragen,daß eine königliche Hand es wagte, der Reformation die Maske abzu-nehmen, und Allen, die vorüber gingen, das aussätzige Angesicht zu zeigen,das man uns für das Angesicht eines Engels ausgeben wollte. Morus,der Kanzler von England sagt von Luther, er habe zur Abfassung seinerAntwort an den König von Großbrittannien den Wörtervorrath derBadjungen, der Kutscher, Hallweiber und der Leute, die sich mit Din-gen beschäftigten, welche wir nicht nennen wollen, völlig erschöpft. Calvinhat aber den Luther noch übertroffen: ihm gebührt die Krone!
Als die ^Vssortio soptom savramontorum erschien, meinte Luther,es wäre das Werkeines „Schurken," des Bischofs (Lee), welcher demFürsten alle Beweisgründe angegeben habe, von denen das Buch ange-füllt ist. Wenn man dem Könige Heinrich Vlll. sein Reich genommenhätte, würde er nicht in größern Zorn darüber gerathen sein. Bezeugtes nicht eine vollkommene Unkenntnis der Geschichte, wenn Calvin sagenkann, der König habe sein Werk widerrufen? Man kann unmöglichglauben, daß der Genfer Reformator die Antwort nicht gelesen habensolle, welche Heinrich VIH. auf die unverschämten Aussagen des sächsischenMönchs gab, und doch wagte er zu schreiben:
„Dieses Buch ist von einem Mönch und streitsüchtigem Geschwätzergebenen Heuchler verfaßt; der König hatte sich nur durch schlechteRathgeber dazu bereden lassen, daß er dem Buche seinen Namen Vor-drucken ließ. Weil er seitdem diesen unbedachten Eifer bereut hat, unddas Buch so plump und schwach war, daß das Andenken an dasselbesogleich zernichtet werden konnte, ist es auch seit dreißig Jahren in Ver-gessenheit geblieben."
Nun sehet, mit welcher Frechheit Calvin uns hier zu hintergehensucht! Die ^ssertio Heinrichs VIH. sollte in Vergessenheit gerathen sein,während die Buden der Buchhändler zu Frankfurt und Straßburg die-selbe Jedermann in deutscher, italienischer, englischer und französischer
Audio: Leben Calvin'? II. Vd. 19