Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
229
Einzelbild herunterladen
 

229

Wohnung zu kommen, um mich zu verbinden, da mein Onkel, ausLiebe zu mir, nicht ertragen konnte, daß man mich in seiner Abwesen-heit auch nur mit der Fingerspitze berühre. Er konnte aber nicht langedie Pein ertragen, mich so sehr leiden zu sehen, was Veranlassunggab, daß er seinen Hauswirth bat, er möge mich täglich, sammt mei-nem Vetter, der auch räudig war, wie ich, in das Haus des Chirur-gen führen, da er nicht den Much habe, mich immerfort so viel leidenzu sehen. Mein Onkel wohnte bei der Universität und der Chirurgenicht weit vom Louvre, von dem ihn nur die Brücke sux LIu8nierstrennte. Wir mußten täglich mit unserm Diener über die Brückegehen. Der Diener hatte, wie es bei diesen Leuten gewöhnlich ist,uns nicht so genau im Auge, wie er sollte. Ich erinnere mich (undwahrlich, ich erschrecke wenn ich daran denke), daß mein Vetter, wel-cher so etwas Soldatisches und Kriegerisches hatte, mich sehr oftmahnte, wir sollen uns, um so vielem Leiden ein Ende zu machen,kopfüber in die Tiefe des Flusses stürzen. Anfänglich erschrack ich übereinen solchen Vorschlag, (ich bin nämlich gar schüchterner und furcht-samer Natur); endlich überließ ich mich aber seiner Zudringlichkeit,und gab vom Schmerze besiegt die Einwilligung, daß ich ihm folgenwolle, wenn er zuerst den Sprung gethan habe. Wie wir so aufdem Puncte waren, unser Vorhaben auszuführen, und der Teufel unsam Halse packte, um uns zu verderben, fühlte Gott Mitleid, erbarmtesich unser, und schickte uns gerade zu dieser Zeit meinen Onkel, deran nichts weniger dachte, als an unser Vorhaben. Da er den Dieneruns von Ferne folgen sah, befahl er ihm, daß er uns nach Hauseführen solle, und trug dem Chirurgen auf, er solle uns von nun anauf unserm Zimmer behandeln. So befreite uns Gott schon damalsauf eine wunderbare Weise aus dem Rachen des Teufels." ()

Theodor von Beza wurde zu Vezelay in Burgund im Jahrel519 geboren und in jener Kirche getauft, in welcher der heiligeBernhard den Kreuzzug gepredigt hatte. Sein Onkel von väterlicherSeite, Nikolaus von Beza,^) ließ ihn nach Paris kommen, tratihm die Prione von kn's - les - Villosolve ab, und schickte ihn

t) Beza's Schreiben an Weimar übersetzt durch Florimcnd de Nemond.

2) Theodor verfaßte für seinen Onkel Nikolaus eine Grabschrist in drei Sprachen,und ließ sie auf de». Grabe in der Pfarrkirche der heiligen Cvsmasund Damian illuminiren, wo man ihn, zwischen den Leuchtern und angczündetenKerzen gemalt erblickt, wie er bei der Vorstellung seines Onkeis betet: DieGrabschrist beginnt:

Äksrmorv ck« ksrio nullss kic stsre columnss. illsuusv.