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Zweiter Band (1844)
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213
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Jesus Christus, versaget mir'nicht, was ihr einem Türken auch nicht ver-sagen könntet, wenn er euch um Gerechtigkeit bitten würde. Ich habewichtige und sehr nothwcndige Dinge zu sagen.

Was den Befehl betrifft, daß man Etwas für mich thun soll, damitich mich ordentlich halten könne, so ist nichts geschehen, ich bin armseli-ger daran als je. Ueberdicß plagt mich die Kälte sehr, wegen der Kolikund des Lcibschadens, der mich mit andrer Noth quält, die ich euch nichtschreiben kann.. Es ist eine große Grausamkeit, daß ich nicht dieErlaubniß erhalte, herauszugehen, nur um meine Nothdurft zu ver-richten. Meine Herren, ertheilet doch aus Liebe zu Gott, oder ausMitleid, oder aus Pflicht, deßhalb euern Befehl.

In euern Gefängnissen zu Genf, am 10. Oktober 1553.

Michael Servetus.

Immer dasselbe Stillschweigen.

Am 21. Oktober versammelte sich das Gericht: die Berathungwährte drei Tage. Einige Richter, aber ihre Zahl war klein, stimm-ten für eine Einsperrung; beinahe alle für Todesstrafe. Nun bliebdie Todesart zu bestimmen. Ami Perrin hatte sich zuerst krank ge-stellt, um sich am Gerichtstage nicht mit dem Blute Servet's zu be-lasten; aber dieses Blut rief endlich so laut, daß sich Ami erhob undin den Rath kam.

Calvin wagte diese edle That zu beschimpfen. Er schrieb:Nach-dem sich unser Theater-Cäsar drei Tage krank gestellt hatte, kam erin den Rath, um den Verbrecher von der Strafe freizumachen. Erschämte sich nicht, zu begehren, daß die Sache vor den Rath derZweihundert gebracht werde; der Verbrecher wurde aber ohne Wider-rede vcrurtheilt."')

Das gefällte Urtheil war das allgemeine, nach dem Gutachtender Herren Prediger der Kirchen; man hat es dem genannten Jn-quisiten Michael Servet zugestellt."

Am Morgen des 26. Oktobers kündete man dem Servet an, daßdas Urtheil der Richter am folgenden Tage vollzogen werden sollte.Auf diese schreckliche Nachricht fing der Gefangene an zu weinen undum Barmherzigkeit zu rufen. Calvin vermochte diese Thränen zubeschimpfen.

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