Gut soll dem Meinigen beigelegt werden zur Vergütung für das, umwas er mich gebracht hat. Darum bitte ich euch meine Herrn.
Am 22. September
Michael Servetus, in seiner eigenen Ange-legenheit.
Als er auf diese Bittschrift keine Antwort erhielt, schrieb er auf'sNeue an seine Richter:
Geehrteste Herrn!
Ich bin durch Johann Calvin, der mich fälschlich angeklagt hatin eine Criminal - Untersuchung versetzt, indem er sagt, ich habe ge-schrieben:
I. daß die Seelen sterblich seien, und
II. daß Jesus Christus von der Jungfrau Maria nur zum vier-ten Theil empfangen worden sei.
Das sind schreckliche und verdammliche Dinge. Keine Ketzereiund kein Verbrechen ist so arg, als die Behauptung, die Seele seisterblich, denn bei allen andern ist noch eine Hoffnung des Heils,nur bei der Lehre nicht, welche diese Behauptung aufstellt, und keinen Gott,keine Gerechtigkeit, keine Auferstehung, keinen Christus, keine heiligeSchrift, gar Nichts glaubt; als daß Alles sterbe, daß der Menschund das Vieh Eines seien. Wenn ich dieß gesagt, und nicht nur gesagt,sondern auch öffentlich geschrieben hätte, um die Welt zu verführen,würde ich mich selbst zum Tode verdammen.
Daher bitte ich euch, meine Herrn, daß mein falscher Anklägermit der pokna talionis bestraft werde, und daß er gefangen gesetztwerde, wie ich, bis die Sache zu meinem oder seinem Tode, oder zueiner andern Strafe entschieden werde. Dazu fordere ich gegen ihn dasRecht der Wiedervergeltung; und ich will gerne sterben, wenn er nichtin diesen, wie in andern Dingen, die ich ihm auflege, überzeugt bleibt.Ich bitte euch um Gerechtigkeit meine Herrn, um Gerechtigkeit, Gerech-tigkeit, Gerechtigkeit! *
In euern Gefängnissen, am 22. September 1553.
Michael Servetus, in seiner eigenen Ange-legenheit.
Immer dasselbe Stillschweigen.
Und Servet bittet noch einmal für den Leib, den man einer„Noth" überläßt, die er nicht zu nennen wagt:
Hochangesehene Herrn!
Es ist wohl drei Wochen, daß ich um ein Verhör nachsuche undbitte, und es nicht erlangen kann. Ich bitte euch, aus Liebe zu