hatte. Frellon erkundigte sich deßhalb bei Calvin, dessen Antwortbald eintraf.
„Herr Johann! Weil euere letzten Briefe zu mir gebracht wurden,als ich gerade abreisen wollte, hatte ich nicht Zeit, auf den Einschlußzu antworten. Nach meiner Rückkehr wollte ich euerem Verlangenwillfahren, sobald ich Zeit fand; nicht als wenn ich eine großeHoffnung hätte, einen Mann, der so gesinnt ist, wie der Spanier,auf einen bessern Weg zu bringen; sondern um kein Mittel unversuchtzu lassen, ihn zu bekehren, was nur dann geschehen kann, wenn Gottsein Herz gänzlich verändert. Weil er mir in einem so stolzen Tonegeschrieben hat, wollte ich ihm seinen Hochmuth ein wenig beugen,und führte eine härtere Rede gegen ihn, als ich es sonst gewohnt bin.Ich kann euch versichern, daß ihm keine andere Lehre nothwendigerwäre, als eine Anweisung zur Demuth. Diese kann ihm aber alleinder Geist Gottes geben, sonst Niemand. Wir müssen aber auch dieHand mit an's Werk legen. Wenn uns Gott diese Gnade verleiht,daß die mitfolgenve Antwort ihm zu Nutzen kommt, wird es michfreuen. Wenn er aber bei seiner bisherigen Schreibart bleibt, würdetihr die Zeit verschwenden, wenn ihr mich ferner angehen wolltet, daßich mich mit ihm abgeben sollte; denn ich habe andere Geschäfte, diedringender für mich sind. Ich würde mir ein Gewissen daraus machen,mich ferner mit einem Manne zu beschäftigen, den ich für nichts alsfür einen Teufel halten könnte, und der mich von nützlicheren Arbeiten ab-ziehen wollte. Jedoch bitte ich euch, daß ihr zufrieden seid mit dem,was ich gethan habe, wenn ihr keinen bessern Erfolg sehet. Ich em-pfehle mich euerem Wohlwollen und bitte unfern guten Gott, daß ereuch seine Gnade verleihen möge. 13. Febr. 1546. Euer Dienerund herzlicher Freund, Charles Despeville." Die Adresse: „An HerrnJohann Frellon, Buchhändler, wohnhaft in Lyon, in der StraßeMerciere."
Johann Frellon sandte die Antwort Calvin's augenblicklich an„seinen Freund und Bruder Meister Michael Villanovanus, Doctorder Medicin in Vienne," mit folgendem Schreiben:
„Theurer Bruder und Freund. Die Ursache, weßhalb ich euchdie Antwort auf eueren Brief nicht eher übersandt habe, werdet ihrin beiliegendem Schreiben finden. Glaubet nur, daß ich nicht ver-säumt hätte, dasselbe durch einen eigenen Boten zu übersenden, wieich es euch versprochen habe; wenn ich dasselbe nur früher erhaltenhätte. Ihr dürft versichert sein, daß ich deßhalb an die Person ge-schrieben habe, und dürfet nicht glauben, daß es aus Versäumniß mei-