Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
189
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Am Tage nach ihrer Zusammenkunft schiffte sich Servet in derVienner Barke, einem schlechten Fahrzeuge ein, welches in diesen Zeitenwie in unfern Tagen seinen täglichen Dienst zwischen beiven Städtenverrichtete. Servet beabschiedete sich von der gastfreundlichen Stadt,in welcher er eine so süße Muse, so herzliche Freunde und eine soglühende Theilnahme gefunden hatte, wie ein römischer Dichter. InVienne hatte er wie in Lyon bald alle Herzen für sich gewonnen; dennals Weltmann wußte er zu gefallen und sich beliebt zu machen.

Balv suchte ihn aber der Teufel der Eitelkeit auch in seinemneuen Vaterlande heim. Servet konnte den Versuchungen seines Fein-des nicht widerstehen. Er vernachläßigte seine Kranken, um sich wie-der an die Lehre der Dreieinigkeit zu machen und sie zu stürzen. Sei-nen Ptolomäus hatte er dem Erzbischöfe deducirt und großen Beifallerhalten. Er wollte aber einen glänzendern Ruhm erwerben und dieLorbeeren Calvin's gönnten ihm keine Ruhe. Also an das Werk!Es ist das Werkeines Scholiasten. Hugues de la Porte, ein andererBuchhändler in Lyon, bereitete damals eine lateinische Bibelausgabe vor,welche Servet mit Anmerkungen begleiten wollte. La Porte bezahlteihm 500 Livre für seine Arbeit. Die Bibel erschien mitimpertinenten"Randnoten, sagte Calvin. Servet war ein Rationalist, welcher denprophetischen Sinn der heiligen Schrift verwarf.

Er hatte Calvin in Paris kennen gelernt. Beide waren überein-gekommen, über theologische Gegenstände zu disputiren: die Kampf-richter waren schon gewählt. Wenn man dem Beza Glauben schenkendarf, hatte der Spanier Plötzlich den Muth verloren; er kam nicht aufden verabredeten Kampfplatz. Beza versichert, es sei aus Feigheitgeschehen; Servet sagt, aus Furcht vor dem Lieutenant: diese Ent-schuldigung genügt. Calvin schonte Denjenigen nicht, den er einenarmseligen Disputator nannte." Servet hatte diechristliche Unter-weisung" gelesen,ein schlecht verfaßtes Buch," wie er sagte,ohneOriginalität, des Aufsehens unwürdig, das es in der Welt machte;"und er suchte sich mit dem Verfasser zu messen.

dem Texte der ersten Ausgabe geändert hatte, nicht vergeben. Er hatte imEingänge der Beschreibung von Frankreich, wo er von der Gabe des Königsspricht, die Kröpft durch bloße Berührung zu heilen, gesagt:Ich habe denKönig eine große Anzahl Kranker berübren sehe». Sind sie geheilt worden?Das habe ich nicht gesehen." Die Wendung ist in der Art des Rabelais.Servet corrigirte sich und schrieb:Sind sie geheilt worden? Man sagte ja!"

1) ll'rsites ktieotoZigues, 826. Ooneve, lökl».

2) Histoire äes LZIisoS retormöes eie kchgnee, t. I. p. 14.