Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
188
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eine Schwalbe, einen ganzen Sommer; mit dem Einbrüche des Wintersbaute er sein Nest in einer kleinen, benachbarten Ltadt, in Charlie»,wo er sich wieder auf die Arzncikunde verlegte.

Wie es scheint war er glücklich in dieser kleinen Stadt, die ganzumkränzt ist von dem im Sommer kühlenden, im Frühling grünendenBergen, wie Tudell, sein Heimathsort in Arragonien. Dolche schrieb:Dieser Servet, der anmafsend und übcrmüthig war, wie Diejenigenberichten, die ihn in Charlieu kennen lernten, wohnte daselbst bis zumJahre 1540; und als er dann seiner Tollheiten wegen hinweg mußte,begab er sich nach Vienne in der Dauphine/") Bolsec sagt nicht, welcheTollheiten er meint. Vielleicht folgte Servet nur der ungestümen Leiden-schaft der Be weglichkcit, die ihn wie einen zweiten ewigen Juden mit sichfortriss. Setter von der Wahrheit abgefallen war, mußte er wandern:das war seine Strafe.

Der Unglückliche flüchtete sich nicht nach Vienne, sondern nach Lyon.Als er in diese Stadt trat, fielen seine Augen auf ein violettes Gewand:er sollte Peter Palmier wieder sehen, den Erzbischof von Vienne, dener in Paris kennen gelernt hatte: einen edlen Kirchenfürsten, welcher dieGelehrten ermuthigte, und dessen Börse für Mickael von Villanova sooft geöffnet war, als Servet sich an ihn wandte. Jetzt hatte Michaeleine gesicherte Ruhestätte für seine alten Tage: der Prälat wies ihm zuVienne in seinem Palaste eine Wohnung an.

Ein Glück kommt nie allein. In der Nähe des erzbischöflichen Pa-lastes befand sich die Druckerei des Caspar Trechsel, den die GroszmuthPeter Palmier's nach Vienne gezogen hatte. Diese Druckerei wurde voneinem geschickten Manne geleitet und war reich an hebräischen, griechischenund lateinischen Schriften. Was konnte der spanische Pilger mehr ver-langen? Während er mit dem Prälaten spricht, träumt er von einerzweiten Ausgabe seines Ptolomäus, der seit langer Zeit vergessen war,und den er nun seinem Gönner widmen will. Schon sinnt er über einetreffliche lateinische Zuschrift nach, in welcher man lesen wird:Fürsten,die der Welt gebieten, müssen die Welt kennen;" es ist dies; eineAnspielung auf Franz I. welcher den Musen so edelmüthig ein Asylgönnte.Und diese Wissenschaft ist denen nützlich, die wie Du, alsGesandter, die verschiedenen Staaten der Christenheit kennen lernten."Diesen Lobspruch richtet der Gelehrte an den Kirchenfürsten.

1) Vis cko Oslvin, p. 9. Lck. 1664.

1) Die Ausgabe des Ptolomäus machte Aussehen in der gelehrten Welt; dieFreunde Serret's konnten ihm aber eine schmeichlerische Aend-.rung, die er an