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Zweiter Band (1844)
Entstehung
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eine größere Liebe zu einer gewissen Anzahl AuSerwählter stattfinden;aber zu Allen trägt Gott eine väterliche Liebe, Allen gibt er die vollkommeneFreiheit, Gutes oder Böses zu thun, selig zu werden durch die Gnade,oder verloren zu gehen durch die Bosheit. Läugnet ihr, sagt er zuseinen Richtern, daß Gott uns durch die Stimme unseres Gewissens,durch die Krankheiten der Seele und des Leibes, durch seine Liebe undseineWohlthaten zurufe? Und der uns also täuschen würde, das wäre jenerGott, der seine Sonne aufgehen ließe über unsere Häupter, der die Schätzeseiner Liebe über unsere Felder ausgöße, der unser Herz zur Freudebewegte? Ein Tyrann, ein ganz gemeiner Tyrann! Neben euerm Gottmit ehernem Herzen, der euch selbst zum Vergehen anrreibt, der überunsere Thränen lacht und mit unserem Schmerze spielt, gibt es keineGerechtigkeit mehr auf Erden; und der Mensch, der aus den Händendes Schöpfers hervorging, ist nichts, als bittrer Spott: es wäre besser,Gott hätte ihn in seinem Nichts gelassen.

Es war schwierig, Bolsec Antwort zu geben. Dennoch versuchtenes die Prediger; sie versteckten sich aber im Gebüsche einer Terminologie,in der sie all ihre Scham und Vernunft ließen.

Bolsec wurde augenscheinlich größer, indem er alle diese Athleten derPrädestination beugte, die sich vergebens abmühten, das Gelächterder theologischen Welt zu unterdrücken.

Im Gefängnisse faßte Bolsec den Plan, den Streit umzudrehenund dem Calvin selbst an den Leib zu gehen. Seine Beweisführung istbewunderungswürdig, wenn er diese betrübende Lehre, die der Refor-mator mit seinem Hauche beleben wollte, näher beleuchtet, und zeigt,wie dieselbe Gott zu einer Triebfeder und zum Urheber der Sünde macht!Seine Anklage ist bündig, sinnreich zu Dilemmen verknüpft, welche sichdrängen und ausbreiten, und die Füße des Gegners in unzähligeFäden verschlingen. Calvin muß sich aus ihnen herauswinden und er-findet dazu einen Willen, der in Gott nicht wanken kann, einen Instinkt,der den Menschen unwiderstehlich zur Sünde antreibt. Aber der Menschwill, daher die Sünde und Verantwortlichkeit. Wenn er also Gutesthut, so geschieht es durch die Kraft des freien Willens, den ihm Gottdurch seinen heiligen Geist gibt; und wenn er Böses thut, geschieht esdurch den nöthigenden Trieb seines natürlichen Willens, welcher vomVerderbniß angesteckt ist. Erbärmliche Sophismen! Als wenn der guteoder böse Wille nach dieser Lehre nicht gleichmäßig das Werk Gotteswäre!

Als die Debatten geschlossen waren, verlangte Bolsec seine Frei-lassung; es fand sich aber Niemand, der Bürgschaft für ihn leistete,Rudini Leben Calvin's II. Bd 12