seligkeit bestimmte, wobei sie ihnen aber ihren freien Willen ließ, welchenCalvin und Luther in eine bleierne Nothwendigkeit verwandelte.
Als Calvin in Straßburg ankam, besuchte Casialion den Refor-mator, der von der Wissenschaft des E,rilirten ganz bezaubert war.Damals begann zwischen diesen bewen Seelen jener Verkehr, der spä-ter durch so betrübende Streitigkeiten gestört wurde. Casialion bot inseiner unbedachten Vertraulichkeit seinen Freunden alle Schätze seinerSprachwissenschaft an, und sogar seine medicinischen Kenntnisse; dennauf seinen Wanderungen über die Berge hatte der junge Bressaner dieKräuterkunde studirt und war zur Heilung der Menschen mit Geheim-nißen vertraut, welche damals wenigen ausübenden Aerzten bekanntwaren. Calvin hatte eine ganz kleine Kammer gemiethet, für welcheCasialion regelmäßig die Miethc bezahlte/) Als Calvin eines Tagesseine Kammer nöthig hatte, gab er dem Dichter den Abschied; derDich-kam aber bald wieder. Der Diener der großen Frau, „Mademoiselledes Bergers," welcher an Castalions Stelle getreten war, wurde krank.Er war aus des Dombes; Casialion rettete ihn.
Nach seiner Rückkehr aus der Verbannung berief Calvin den Se-bastian nach Genf, und verschaffte ihm die Stelle eines Oberlehrersam Gymnasium. Der Reformator glaubte in seinem ehemaligen Tisch-genossen den Straßburger Dichter wieder zu finden. Es waren abermehrere Jahre verflossen und der Dichter hatte sich zum Theologenumgcstaltet. Nun stellet euch in ihm einen Kölner Mönch mit derGelehrsamkeit Melanchthons und der durchdringenden Sprache Carlstadtsvor. Der Oberlehrer studirte die Bibel, und nahm sich vor, dieselbezu übersetzen. Als er an seiner Uebersetzung arbeitete, wollte er Auf^sehen machen, wie Luther; und damit er der Aufregung der religiöse»Welt um so sicherer wäre, nahm er sich vor, die Kirchengesetzmäßigkcitdes hohen Liedes zu läugnen, die er eine unanständige Idylle nannte,welche aus dem Kopfe eines Libertiners gekommen sei. Der Gedankewar merkwürdig genug! Casialion hielt sich für einen so großen Theo-logen, daß er seine Arbeit dem Reformator zeigen zu können glaubte.Die Eigenliebe Calvin's war nun verletzt. Casialion, welcher sich indem Augenblicke, in welchem die Pest so schreckliche Verwüstungen an-richtete, zur Pflege der Verpesteten angeboten hatte, während die andernPrädicanten sich aus Furcht vor dem Tode versteckten,^) hielt eben so
1) Lastsl. «jekonsio, 26.
2) „Der Oberlehrer Chatillon bietet sich an, Prediger im Spital der Pestkrankenzu werden; mehrere Prediger weigerten sich, dahin zu gehen, indem sie sagten,sie gingen lieber zum Teufel." kraginents dioxi-gpkiqn^ ä«8 regi-tre»«je Is ville. ülsi 1S43, p. 10.