er sich eines Tages allein an den Ufern der Saone damit ergötzte, denActcur zu spielen, rief Jemand, der den Dichter belauschte: „Castalio!Castalio!" Chateillon glaubte nach Griechenland versetzt zu sein, grüßtedie Muse, die ihn taufte, und nannte sich nicht mehr anders alsCastalio.
Er ist ein wahres Muster eines mittelalterlichen Gelehrten. Erarbeitete täglich zwölf Stunden, stand mit der Sonne auf, sang amMorgen in griechischer, Nachmittag in lateinischer, am Abende in he-bräischer Sprache.
Nachdem er das zwanzigste Jahr erreicht hatte, durchwanderte erDeutschland, das Land der Wissenschaft, und verdiente sein Brod, in-dem er Virgile und Homere verkaufte. Die Käufer waren zahlreich undCastalio war genügsam. Er erzählt selbst, daß es einer seiner Lecker-bissen gewesen sei, schwarzes Brod in Milch getaucht zu essen. Sobrauchte er nicht ganz neun Kreuzer des Tages. Wenn er die Ueber-setzung seines Schülers corrigirt hatte, nahm er im Nothfalle eineSäge und spaltete Holz, oder ging auf den Markt und kaufte sichseinen Hausbedarf. Die Vorsehung theilte ihm ein Leben voll Leidenzu, die er als ein Weiser zu ertragen wußte.
Im Jahre 1545 gab er in Basel vier Bücher, historisch biblischeAbhandlungen in Gesprächsform heraus. Die antike Sadt Basel, dievon lateinischen Reden ertönte, zeigte sich völlig verwundert: es schienihr, als habe Castalio nur unter Augustus in Rom gelebt. Als späterMelanchthon Sebastians griechisches Gedicht auf den heiligen Johannesden Täufer las, war er so erfreut, daß er große Bruchstücke davonseinen Schülern in Wittemberg vortrug. Ohne den biblischen Namendes Helden hätte man geglaubt, man höre ein Bruchstück von einemantiken Gesang, der von einem jener Hellenen nach Italien gebrachtwurde, denen Rom oder Venedig ein Asyl gewährte. Zum Unglückewollten in dieser Zeit religiöser Aufregungen selbst die Musen Theo-loginnen sein. Die Muse Castalio's machte es andern nach, sie verließdie lieblichen Schatten Tiburs, um sich in die Abgründe der Vorher-Lestimmung zu stürzen. Der von Gott so kümmerlich beschenkte Dichterzweifelte aber weder an seiner Güte, noch an seiner Barmherzigkeit;er glaubte an eine Vorsehung, wie wir Katholiken, und hielt sie füreine gute und milde Mutter, die ihre Kinder nur zu ewiger Glück-
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