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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
157
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und mit diesen Worten ferner angesprochen: Moritz, was sagen siegutes neues zu Frankfurt, wollen sie den Erzketzer Luther schier ver-brennen ? Darauf Moritz Goltsch diese Antwort gegeben. Davon höreich nichts, ehrwürdiger Herr! Ein Büchlein aber habe ich mit herein-gebracht, welches Joh. Calvinus vom Abendmahl des Herrn hibevornfranzösisch geschrieben, itzo aber aufs neue lateinisch ausgangen ist.Sie reden draußen von Calvin, daß er zwar ein junger, doch einfrommer und gelehrter Mann sein soll. In solchem Büchlein soll der-selbe Calvinus anzeigen, worin Euer Ehrwürden, worin auch Zwing-lius und Orkolampadius im Streit vom heil. Abendmahl sollen zu weitgangen sein. Da solches Moritz Goltsch nicht recht ausgeredet, hatvr. Luther alsobald geantwortet: Lieber gebet mir das Büchlein her.Darauf ihm der Buchführer eins in Riemen gefaßt Eremplar in Octavogegeben, welches vr. Luther in die Hände genommen, sich niedergesetzet,und die ersten drei Blätter nach dem Titel gelesen, nachmals die letztefünftehalb am Ende zu lesen angefangen, die er mit sonderlichem Fleißdurchlesen, und endlich also gesaget.Moritz, es ist gewiß ein gelehr-ter und frommer Mann, dem hätte ich wohl anfänglich dörffen die ganzeSache von diesem Streit heimstellen. Ich bekenne meinen Theil, wenndas Gegentheil dergleichen gethan hätte, wären wir balde anfangs ver-tragen worden, denn so Oekolampadius und Zwinglius sich zum erstenalso erkläret hetten, weren wir nimmer in so weitläufige Disputationgerathen." Solches hat neben vielen andern Studenten die umb vr.Luther der Zeit gestanden, auch Matthias Stoius, der damals vr. Lu-thers Tischgenoß gewesen, nachmals aber der Arznei Doctor, und desalten Herzogen von Preußen Leibmedicus geworden ist, mit angehöret,der es in Beisein vieler fürnehmen vom Adel hochgedachten Herzogen inPreußen Marggrasen Albrechten, vielmals erzehlet hat."^

Was will man aber mit dieser Erzählung beweisen? Daß Luthervon der Lehre der wirklichen Gegenwart Jesu Christi im Abendmahl zuder Genfer Lehre von der bildlichen Gegenwart übergegangen sei, unddaß er von der Beweisführung Calvin's überredet, noch in seinen altenTagen seine zärtlich geliebte Symbolik verlassen, die Tinte und denZorn beweint habe, den er im Dispute mit den Sacramentirern ver-

1) Diese Erzählung ist au» dem Merkchen gezogen:Ausführliche, wahrhafte undbeständige Erzählung vom Sacramentsstreit durch Christoph Pezel, der heiligenSchrift vr. und Professor zu Bremen. 1600. Er war ein Cryptocalvinist,hat sich durch seine Streitigkeiten mit den Lutheranern und durch sein Buchbekannt gemacht: Lxsmen tkeotogiss Nelslicktkonis eum expticsliollidus.Man vergleiche: Das Leben Johann Calvin's von Paul Henry v-, 50 t rc.