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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
154
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zeichnen, und mit welcher Seelenkrast und Beharrlichkeit, mit welcherGeschicklichkeit er bis auf diesen Tag durch seine Lehre sv glücklich ge-kämpft hat, um das Reich des Antichrists zu stürzen, und zugleich be-müht gewesen ist, die Lehre des Heils zu verbreiten. Ich habe schonoft gesagt, daß wenn er mich auch einen Teufel schelten sollte, ichihn doch immer ehrenvoll als einen außerordentlichen Diener Gottesanerkennen würde, der freilich, so wie er mit außerordentlichen Tugen-den begabt ist, auch große Fehler an sich trägt. Wollte Gott, daßer sich mehr bemüht hätte, jene Stürme seiner Hitze, die beständig inihm ausbrausen, zu beherrschen. Wollte Gott, daß er den ihm natür-lichen Ungestüm nur gegen die Feinde der Wahrheit gebraucht, undnicht gegen die Diener Gottes geschleudert hätte!"

Seit zehn Jahren hatte sich die feste Ansicht Calvin's über Luthernicht geändert. Im Jahre 1538 war dieser schon ein eitler, lügenhafter,arg verblendeter Mensch, ein abgeschmackter Lehrer, welcher behauptete,das materielle Brod sei der Leib Christi, ein unerträglicher Gegnerder Wahrheit.

Die Sprache ändert sich aber nach den Umständen. Es ereignetsich, daß Calvin das Patronat Luther's für das Buch gegen die Nico-dcmiten nöthig hat; da wird die Rede des Schreibers süß wie Honig,und der Augustinermönch wird in einen glorreichen Stellvertreter JesuChristi, in einen ehrwürdigen Pater verwandelt, den Gott mitseinem Geiste erleuchtet. Man sollte zu Ehren Calvin's seine Kor-respondenz zerreißen; wenn man sie liest, sollte man glauben, manwäre in Wittenberg zur Zeit als die Reformation begann und Lutheran Leo X. schrieb:Allerheiligster Vater: Schenk mir das Leben,oder nimm es, stimme mir Lei, oder widersage mir, gib mir Rechtoder Unrecht, deine Stimme erkenne ich als Christi Stimme, der durchdich wirkt und spricht: Wenn ich den Tod verdiente, will ich freudigsterben;" und dann zur selben Stunde, ohne Feder und Tinte zuwechseln, seinBüchlein vom rechten Verstand, was Adam und Chri-

1) 25. nov. 1544. LuIIingero.

2) Xegue eniin tsstu mocko et mnleciieentia cleliquit, seck ignorsntisguogue et crsssissim» kallucinatione .... illum koeäissime errsrsjuäico .... guis tsmen non excuset Xvinglium prae insolent! qusmnsrrsnt Nsrtini teroeitate? Uueero, Oenevae 12. 4an. 1538.

3) Vsle, vir prsestsntissime, 6kristi minister. 12 LsI. kebr. 1545.Man vergleiche das Kapitel: Die Libertirer. a) Die Pamphlete.