wollen nicht so viele Herren hier haben. Merket euch wohl, wasich sage."
Die öffentliche Stimme bezeichnte dieses mal in Uebersteinstimmungmit den Spionen Calvin's Gruet als den Verfasser der Placards. JakobGruet war ein herzhafter Mann, ein Patriot, welcher sich damit ab-gab, ebenso böswillige als poetische Gesänge gegen Johann von Noponund die Flüchtlinge abzufassen. Calvin hatte ihn auf der Kanzel meh-rere Male „Gassenkehricht" genannt. Gruet lachte über die Drohungenseines Feindes. In der Kirche sah er ihm ins Gesicht, zuckte dieAchseln, wenn er predigte und besuchte die Wirthshäuser, „welche da-mals das waren, was heute die Cirkel und Caffeehäufer sind.'")Er war der Erste, welcher die Mode mit hohen Strümpfen und Faltenam Knie angenommen. Man schrieb ihm verabscheuungswürdige reli-giöse Grundsätze zu. Calvin entwirft von den Sitten des Dichtersein schreckliches Gemälde.
„Es handelt sich nicht mehr um den Cäsar comicus und seinetanzende Venus" schrieb er. „Man hat ein Papier an der Kanzelgefunden, worin jene uns den Tod androhen, wenn wir nicht schwei-gen. — Da der Verdacht Vieler auf Gruet fiel , wurde er festgesetzt;doch die Handschrift stimmte nicht. Beim Durchsuchen seiner Papierefand man indeß mehrere nicht minder strafbare Documente; eine Bitt-schrift, die er dem Volke am Versammlungstagc vorlegen wollte, woriner zu beweisen suchte, daß man durch das Gesetz nur das, was demStaate schaden könne, strafen müsse. Es sei Gefahr vorhanden, daß es,während die Stadt dem Gehirn eines einzigen melancholischen Menschen(Calvin) gehorche, zu einer Empörung komme, und die Stadt Tau-sende von Bürgern einbüße. — Zwei Seiten lateinisch geschrieben,wo er sich über die ganze heilige Schrift lustig macht, Christus miß-handelt, die Unsterblichkeit ein Traum und eine Fabel genannt, endlichdie ganze Religion zu Grunde gerichtet wird. Ich glaube nicht,daß er der Autor sei, aber da es seine Handschrift ist, wird drProzeß geführt. Möglich ist es jedoch, daß er, was er von Anderngehört, mit seinem Witze zu einem Ganzen verarbeitet hat."^)
Diese Papiere, welche bei Gruet mit Beschlag belegt wurden, waren,wie alle jene, die man bei einem Manne findet, der seinen Geist mit lite-rarischen Arbeiten beschäftigt: ungeordnete Blätter, auf welche derSchriftsteller unvollkommene Phrasen, hinkende Verse, unverarbeitete
1) .Iume« .
2) Lp. Vireto, 1l. .lul. t54ä.