Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

ihren Dienstboten angeklagt seien, werden zwischen zwei Gensdarmeuin das Gefängniß geführt. Ließ wäre eine Demüthigung gewesen,welche Perrin nicht ertragen würde, wenn es ihn auch sein Blut kostensollte. Franz Faber war vor das Cofistorium geladen worden. DieAufgabe der Räthe war schon vorbereitet. Bei der Anschuldigung desVerbrechens der Unzucht zeigte er seine Haare und weigerte sich zuHertheidigen: man beschimpfte ihn, er schwieg, und als er außerhalbdes Gerichtshofes war, überströmte er von Beleidigungen gegen dieRichter. Er wurde von Neuem vorgeladen und zog sich auf das Landzurück; seine Tochter stellte sich statt seiner vor dem Konsistorium. Dichwar die Frau, welche Calvin eine Furie, ein in ihren Leib toll ver-liebtes Weib, und nach seiner energischen Sprechweise, eine H . . .nannte?)

Franziska vertheidigte sich als ein zornerfülltes Weib und schonteCalvin nicht. Man sagte, sie habe eingcsperrt werden wollen.

Da stellte sich der Generalcapitän vor den Rath um seinenSchwiegervater und seine Frau zugleich zu vertheidigen. In dem Au-genblicke, in welchem er eintrat, wurde ein Mann, der früher gekom-men war, wegen einer Beleidigung gegen Gott, verhört. Der General-capitän, welcher nothwendig sprechen mußte, stieß den Gefangenen ge-waltsam zurück und sprach zu ihm:zurück, meine Angelegenheit istdringender, als die deine."

Unter den Mitgliedern des Rathcs befand sich ein Rathsherr, welchervon Calvin augenscheinlich erkauft war: Lambert, welcher ganz alleinvon den Bußen lebte, zu welchen die durch den Reformator angegebenenLibertiner verurtheilt wurden. Die Unschicklichkeit des Generalcapitänswar für den Richter sehr günstig; er klagte ihn an, daß er sich an derPerson der Räthe Eingriffe in die Svuverainitätsrechte des Volkes er-laubt habe; ferner eines sträflichen Mitleids für einen zu Ruthenstreichenverurtheilten Unglücklichen, an dem er verhindert habe, daß er bisaufs Blut gehauen worden sei; und des aufrührerischen Erbarmens miteinem Armen, dem er den Nachlaß seiner Geldbuße, seines einzigen

und letzten Kreuzers, bewirkt habe?)

Als Perrin aus dem Rathe ging, wurde er fcstgenommen und in'sGefängniß geführt. Sein Prozeß wurde auf der Stelle vorgenommen:Calvin verlangte Blut.

1) Uxoi- ost proNiAiosa Im-iu , impuclenter omnium ci-iminum (iofensioiiemsuscipiens. Lp. 70 .

2) Cslilld. III. 384.