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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
126
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tern der heiligen Lehre, war der Umsturz der Kirche ganz gleichgiltig,wenn sie nur die Macht erlangten, die sie wünschten, nach ihrer LustJegliches wagen durften. Viele trieb auch Noth und Hunger, Einige dernichr zu befriedigende Ehrgeiz, oder die schändliche Sucht des Gewinnsbis zur Wuth an, Alles umzuwerfen, und sich lieber selbst mit uns indas Verderben zu stürzen, als sich der Ordnung zu fügen. Ich glaube,daß in dieser langen Zeit von ihnen kaum Etwas unversucht gelassenwurde, was nur in der Werkstättc des Satans gewöhnlich bereitet wird.Auch konnten ihre nichtswürdigen Anschläge kein anderes Ende nehmen,als ihren eigenen schimpflichen Untergang."

Hier erscheint Calvin in seiner mächtigen Persönlichkeit, als Wieder-schein und Wiederhall der Gottheit, ein lebendiges Symbol des geoffen-barten Wortes. Die Geschichtschreiber Genfs wollten mit dieser Dop-pelerscheinung des Reformators nicht einverstanden sein: Heinrich VIII.und Moses! Wie Heinrich vereinigte er alle Gewalten in sich, welchedie Gesellschaft beherrschen: er ist Papst und König; wie Moses willer seine Gewalt von Gott selbst ableiten: er ist Apostel und StellvertreterJesu Christi. Jede Opposition gegen seine Absichten, jedes Murrengegen seine Beschlüsse, jede Beleidigung seiner Person wird also eindoppeltes Verbrechen in sich vereinen: in jedem seiner Gegner wird ereinen Grachus und einen Teufel finden. Für die Libertiner gab es nurein Mittel zum Siege: sie mußten Calvin seines Titels eines Oberprie-sters berauben. Sie wagten den Versuch. Mehrere Jahre hindurchsah man sie eifrigst an ihrem Werke, Calvin in seinem Privatleben, imTempel, im Rathe, im Consistorium, mitten unter seinen Verwandtenund Freunden zu belauschen, und hörte sie Alles erzählen, was sie ge-sehen und gehört hatten, ja bisweilen selbst das, was sie nur vermuthethatten. Durch die Erzählungen der Libertiner erfuhr Bolsec, wie derPrediger die Drucker Genfs bezahlte,zwei Sous für das Blatt oderden ganzen Bogen;"') dann wie viele Pfennige ihm zur Austheilung andie Armen durch die Königin von Navarra, die Herzogin von Ferraraund andere reiche Fremde überschickt wurden; das Erbe von zweitausendThalern, welche David de Haynault ihm bei seinem Tode überließ,und die er an seine Freunde und Verwandte austheilte; die reiche Hoch-zeit, welche er für seinen Bruder Anton mit der Tochter eines Bankero-tirers aus Antwerpen, eines Flüchtlings, welcher in Genf seinen Raubin Sicherheit brachte, abschloß °); den Brief, welchen er an Farel

1) öolsec, Vie cke ilean Calvin, p. 2V.2 Id. p. 3N.