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fängniß; wehe der jungen Ehefrau, welche Schuhe nach der BernerMode trug, sie erhielt einen öffentlichen Verweis. P
Die calvinische Gesetzgebung hat sogar die Anzahl der Gerüchtebestimmt, welche auf die Tafel des Reichen kommen sollten, ja auchdie Beschaffenheit der Butter, welche auf dem Platze Molard verkauftwurde. Ein Obsthändler, welcher alte Butter für frische verkauft hatte,wurde zwei Stunden lang auf den Pranger gestellt. 2)
Eines Tages wurde die Stadt beim Aufstchen in Staunen verseht,als sie mehrere Galgen auf den öffentlichen Plätzen errichtet und miteiner Aufschrift behängt sah, auf welcher zu lesen war: „Für Jeden,welcher von M. Calvin Uebles sagen wird."
Haben wir nicht das Recht, zu sagen, tn dieser calvinischen Gesetz-gebung vermenge sich das Trauerspiel mit dem Lustspiel? Lustspielund Trauerspiel sind hier nur angckündet. Die lächerliche oder blutigeHandlung wird sich bald in einigen, durch den Reformator den vortreff-lichsten Bürgern der Republik angehängten, Prozessen entwickeln... .Dann nur werden wir die natürliche Beschaffenheit des Lichtes erkennen,von dem man sagt, es gehe erleuchtet einher; wir werden sehen, obes vom Sinai oder von jenen Stätten komme, wo nur Weinen undZähneknirschen sein wird. Wir werden auch erfahren, ob das Lachen,welches um die Lippen des Reformators streift, das Lachen des heiligenApostels Paulus, oder jenes gefallenen Engels sei, welchen Goethebesang.
Wie in den schrecklichen Zeiten, in welchen Tacitus von den Tyran-nen Roms sagte: sie heißen die Stilleder Gräber „Frieden," so nannteCalvin das in Strömen vergossene Blut seiner Mitbürger „Reinigungder Sitten": aber dieses Blut sollte eines Tages seine Stimme erheben! —-Hören wir einen reformirten Patrioten, der uns sagt, was Calvin ausder Genfer Gemeinde machte: „Ich möchte Denjenigen, welche sich ein-bilden, der Reformator habe nur Gutes gethan, unsere von eingeschrie-benen Findelkindern angesüllten Register zeigen (man setzte sie in allenWinkeln aus, in der Stadt und auf dem Lande) — Prozesse voll ab-scheulicher Unflätherei, — Testamente, in welchen Väter und Mütterihre Kinder nicht nur ihrer Fehler, sondern ihrer Verbrechen wegen
1) Polizcivorschrist vom 2!>. Jüly 1849. „Die thörichtcn Mädchen, welche sichleiblich vergangen hatten, sollten nicht mit Blumen auf^den Hüten in derKirche erscheinen, wenn sie sich trauen lassen, wie wenn sie sich ehrenvoll be-tragen hätten." Und Genf errichtete I. I. Rousseau, welcher die Frucht seinerFreidenkerei in die Findelhäuser schickte, eine Statue.
2) Vieol. t. 266 — 267.
3) lislitle.