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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
112
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nannte ihn einen berühmten Mann, einen glorreichen Diener Christi,einen ehrwürdigen Vater, dessen Geist der Herr leitet und leiten wirdzum Heil der Kirche?)

Melanchthon kannte aber Calvin. Er hatte ihn auf dem Reichs-tage zu Worms gesehen und konnte durch diese sentimentalen Redens-arten zu Gunsten des alten Martinus, den der verbannte Franzose inStraßburg vor Kurzem noch so abscheulich herabgejetzt hatte, nichtzum Besten gehalten werden. Er vermuthete, daß Calvin, der Höfling,diesem Strauße blumichter Redensarten eine eigennützige Bittschrift an-gehängt habe, welche Luther nicht mit Randglossen begleiten möchte.Melanchthon machte sich wenigstens frei: er antwortete geradezu, daßer den Brief dem Meister nicht gezeigt habe, weil derselbe Verdachtgeschöpft habe und seinen Namen bei solchen Streitigkeiten nicht imSpiele sehen möge?)

Einige Monate später war Luther, dieser Ruhm Christi, dieserStern, den der Herr zur Ehre der Kirche hatte leuchten lassen, nurmehr ein Perikles, eine Art wüthender Narr, welcher sich der Weltzur Schau stellte, und mit dem er, Calvin, Mitleid hatte?)

Ein Trost blieb dem Reformator in Genf: er hatte Martin Bu-cer und Melanchthon, diese zwei großen Lichter der protestantischenSchule zu Anhängern erhalten, welche dem Landgrafen Philipp vonHessen gestattet hatten, zum Communiontische zu gehen, den Nicodemitenaber von demselben hinwegzujagen, weil er seinen Fuß in eine katho-lische Kirche gesetzt hatte. Die Geschichte Philipps von Hessen ist euchbekannt. Seines Garnisonlebens müde, schrieb er eines Tages anMelanchthon und Luther:Meister, Lerathet euch; ich muß zweiWeiber haben. Die Patriarchen hatten mehr, als ich von euch ver-lange." Sein Schreiben war von Martin Bucer abgefaßt worden.Einige Wochen später gaben Martin Bucer, Phil. Melanchthon undMartin Luther, nachdem sie den heiligen Geist angerusen hatten, dem

1) Vale l-Isrissimo vir, prnesMnlissimk; <s.krisii minigter, üw Mer milii

neinper iionornnde. t)oininu8 te 8piritu 8UO tzulrernnre pergilt U8guei» tinem, in commune Kcc!e8ine 8Uiie Iionum. 12 erdend. tellr.

1545 XüricI,. Das Autograph dieses Briefes ist in Zürch nicht mehr vor-handen.

2) II Llnrtiuu non exkilni! tnnm epi8tol,,m: mnlia enim 8N8picio8e se-cipit, nt non vnlt circumterri 8nns re8pon8ivne8 (In tidilm« gnne8tio-nitn>8 qn,i8 prop 08 ui 8 ti. ^1e>. Kpi8tol,ae., 1545.

3) Ve8ter gutem I'ericle8 gu.antn intemperie »d i'ulminilndum cspitur?..kt quid in kune modum tumultnrindo proticit, ni8i nt totu8 munduseum lurere fudicet? Ale certe gni eum ex snimo vereor, vekemen-

ter efri8 pudet. kp. 63. Kd. ArM8t., p. 33. 28. dun. 1545.