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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
87
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Das Bild schwieg und Le Neveu auch: man hatte das eine indie Rhone geworfen und den andern gehenkt.

Spon, dieser gelehrte Geschichtschreiber sagt ernstlich:

Im Jahre 1560 gab die Justiz in Genf zwei Beispiele derStrenge, welche jener des alten Roms glich."

Ein Bürger wurde durch den kleinen Rath wegen Ehebruchszum Staupbesen verurtheilt und apellirte an den Rath der Zweihun-dert. Sein Prozeß wurde noch einmal durchgesehen, und der Rathverurtheilte ihn, weil er sich des Vergehens wiederholt hatte zu Schul-den kommen lassen und weil er deßhalb zurecht gewiesen worden war,zum Tode, worüber der Schuldige sich beschwerte, daß man ihm unrechtthue, indem man ihn mit dem Tode bestrafe. Einige Zeit später wurdeein Wechsler wegen desselben Vergehens verurtheilt, der mit großer Reuestarb, und Gott dankte, daß die Gerechtigkeit so strenge gehandhabtwurde."')

Kinder wurden öffentlich gehauen und gehenkt, weil sie ihre Mut-ter Teuflin und Diebin genannt hatten. Wenn das Kind noch nichtdas Alter hatte, in dem der Verstand kam, wurde es unter den Ach-seln an einem Pfahle aufgehängt, zum Zeichen, daß es den Tob ver-dient hätte?)

Calvin fühlte, daß die Lehre, die ihm die Herrschaft gegebenhatte, ihm dieselbe auch nehmen konnte; er schickte sich deßhalb an,Jedermann an der Stirne zu zeichnen, der kühn genug war, seinenBeruf zu erforschen, seine theologischen Grundsätze zu prüfen, oderseine Symbolik zu verwerfen. Damals wurde Bolsec, welcher dieVorausbestimmung läugnete, aus der Republik verjagt; Gentilis, wel-cher die calvinische Quaternität verwarf, wurde verurtheilt, mit demStricke um den Hals durch die Stadt zu gehen;*) Castalion, welcherdas hohe Lied für apokryph erklärte, wurde, obwohl er Calvin's Tisch-genoffe war, ohne einen Bissen Brod aus Genf verjagt; und Servetus,welcher über dieUnterweisung" gespottet hatte, wurde lebendig ver-brannt. Wir erinnern uns, daß Farel, als er nach Genf kam, zudisputiren verlangte, daß er gegen die Verordnung des Magistratsdie Kanzel bestieg, und daß er der erstaunten Menge seinen Gott ver-kündete. Wehe jetzt Demjenigen, der sagen würde, er sei vom heiligen

1) 8pon, Histoire äe Oeneve, t. I. p. 305.

2) kicot., Ilistoire cte Oeneve, t. II. p. 264.

3) Man vergleiche in diesem Bande das Kapitel, welches hie Aufschrift führt:Literarische Freundschaften/'