immerfort bedrängen. Mit jedem Schritte begegnet man Ketten, Rie-men, Pfählen, Zangen, siedendem Pech, Feuer oder Schwefel. Blutsah man überall. Man glaubte in der Stadt der Schmerzen desDichters Dante zu sein, in welcher man keinen Laut vernimmt, alsStöhnen, Seufzen und Klagen:
tzuivi sospiri, pianti, 6 slti guniliisonavsn per I'ser senru stelle.
Nach drei Jahrhunderten entkam der Brust eines Gensers derSchrei des Vorwurfs und man konnte in einer zu Genf durch einenReformirten gedruckten Schrift das also abgefaßte energische Urtheillesen: „Calvin stieß Alles um, was die Genfer Reformation Gutesund Ehrenvolles für die Menschheit hatte, und führte die Herrschaftder krassesten Unverträglichkeit, des gröbsten Aberglaubens und dergottlosesten Lehren ein. Dabei kam er zuerst durch Arglist, dann durchGewalt zum Ziele, er drohte selbst dem Senate mit einem Ausstandeund mit der Rache aller Henkersknechte, von denen er umgeben war,als der Magistrat den Versuch wagen wollte, gegen seine wider-rechtlich angemaßte Gewalt die Gesetze geltend zu machen. Daß manihn nun als einen listigen und in dem Verfahren all jener Tyrannen,welche in so vielen verschiedenen Ländern die Republiken unterjochthaben, erfahrenen Mann bewundert, das muß man schwachen Gemü-thern gestatten. Diese schmutzige Seele mußte Blut haben."')
In Blut und Schmutz wird auch der Leser fortgeschleppt.
Bisweilen glaubt man nach Konstantinopel versetzt zu sein. Auch inGenf wirft man die ehebrecherischen Frauen in die Rhone; nur nähtder Henker in Konstantinopel dieselben in einen Sack, damit sie nichtssehen: in Genf stürzt man sie mit offenen Augen in den Fluß.
Folgender Prozeß beginnt wie ein Feenmährchen und endet wieein Decret, welches Tiberius von Jschia datirtc:
„Ein reicher Bürger Namens Heinrich Philipp Le Neveu, bewahrteseit fünfzehn Jahren eine auf Glas gemalte Figur, die er seinen häus-lichen Dämon nannte. Wenn er wissen wollte, was seine Frau that,hielt er sein Ohr hin, und das plauderhafte Bild sagte ihm ganz stilldas, um was er lieber nicht hätte fragen sollen. Der Mann erzähltesogleich Jedermann, der ihn anhören wollte, daß er in seiner Wohnungein gläsernes Bild habe, welches rede und eine Frau, welche dasBild gerne zum Schweigen gebracht hätte. Nun plauderte Le Neveuso lange, bis der Rath ihn festnehmen ließ."
1) üsckiüe. Polices 'geuealogigues. III., 21.