ist ein Schrei der Herzensangst, den ihr ausstoßet. Ich darf nichtlange um Re Antwort verlegen sein, die ich euch geben soll; ich sageeuch mit Paalzow: „Anhänger der symbolischen Bücher, die ihr vorder Autorität ausspuckt, ihr habt uns mit euern Händen einen papie-renen Papst gemacht, der weit unerträglicher ist, als der Papst mitHaut und Bein, der in Rom herrscht!" Oder ich sage euch mit
Lüdke: „Euere symbolischen Bücher sind ein eisernes Joch auf demNacken der Christen."
„Ich glaube an die Glücklichen," sagte Napoleon: er hätte denReformatoren wenig Glauben geschenkt. Betrachtet das Loos all ihrerverkündeten Wahrheiten:
Luther erfand die Jmpanation und den unfreien Willen.
Der unfreie Wille, und die Jmpanation liegen mit ihm zu Wit-tenberg begraben. Zwingli träumte von einem rein bildlichen Abendmahle.
Sein Bild ging in der Schlacht bei Cappel unter.
Calvin ersann eine freie Nothwendigkeit, eine ganz aristokratischeVorausbestimmung, ein Abendmahl ohne Gestalt und Wirklichkeit.
Sein theologisches System bestand kaum einige Jahre.
Zwingli verfaßte ein Formular, welches durch das AugsburgerBekenntniß Luther's und Melanchthon's aufgehoben wurde.
Dieses protestantische Glaubensbekenntniß ging völlig in das zwei-fache helvetische Formular über.
Die Glaubensbekenntnisse Farel's und Calvin's, des Grynäus,Bullinger und Musculus konnten der freien Forschung nicht widerstehen.
Die freie Forschung veranlaßte die Anarchie der Lehren: sie er-zeugte die tausend Secten der Vereinsstaaten.
Die Anarchie eröffnete den Abgrund, dessen neuester Fürst Straußist. Eichhorn und Paulus waren vor ihm auf dem Throne.
Die Reformation kann dem Sturze selbst nicht mehr entrinnen:es sind ihre eigenen Lehrer, welche das Urtheil gefällt haben. DerBeruf des Katholiken ist nur, dasselbe aufzuzeichnen.
Wenn sie das unverjährbare Recht des Gedankens angreifen will,ruft ihr Schulz zu:
„Tochter der Freiheit, gib Acht, was du thust: wenn du eswagst, den Flug des Geistes durch deine Glaubensbekenntnisse zuhemmen, hörst du auf, dir selbst anzugehören, du verfällst aus dieAutorität und bist verloren."
1 ) puslrnv, Svnebius, p. 182.
L) Lüdke, Vom falschen Religionscifcr, 1767.
3) Schulz, was heißt Glaube, und wer und die Ungläubigen? 1830, S. 43.
Audin: Leben balvin'S II. Bd. 6