„Fürwahr ich weiß nicht, warum du so oft über den Chrysamspottest, mit dem du in der Taufe gesalbt wurdest wie ich auch. Dochgeht mich dich nicht an; halte du dich an Hieronymus, Dionysius,Tertullian, Cyprian, Basilius, Optatus, Augustinus, nämlich an dieallgemeine Kirche, welche dich beschulvigt, du habest eine Ceremonieabgeschafft, die so alt ist, als die Christenheit."
Dabei schlug Baudouin seinen Gegner mit einer Fluth von grie-chischen und lateinischen Citaten. Er bewies ihm, daß er auch nichteinmal die allergewöhnlichsten Kenntnisse des römischen Rechts, dergriechischen und lateinischen Liturgie, der Hermeneutik, der Urgeschichteaus unseren christlichen Zeitbüchern besitze, oder daß er seinen Leserwissentlich betrogen habe, als er das Alterthum der katholischen Cere-monie läugnete: der ganze Streit zeigt in Baudouin ein Muster derWahrhaftigkeit, Treue und Klarheit. Wenn man ihn gelesen hat,begreift man das hohe Lob, welches Melanchthon diesem Rechtsgelehr-ten ertheilte.
„Meinen Gruß dir Doctor, des Rechts und der Gerechtig-keit, der du nicht nur die bürgerlichen Gesetze studirt, sondern dichauch mit der Lehre vertraut gemacht hast, durch die sich Gott derMenschheit mittheilt."
t) 1e izitur jnris et jnstitiae eloetnrein sein non tnntuin lorenses leges,seci etiiiin enin eloctrinain eognoseerv gn» sese Dens lniinnnis inen-liNiis eonnnunient. — I'r. Dnlelnini Desj». »Ilern »d ssoimnem tmlvi-n»in. Diirisiis, 1362, z,. 114.
Die Zeit löscht das Andenken an eine Menge von Schriften, welche derGeschichtschreiber allen Denjenigen wieder verführen mnß, welche die Wahr-heit verthcidigen wollen. Eine Controvcrs - Schrift machte bei ihrem Erschei-nen ein außerordentliches Aufsehen, und verdiente den großen Ruhm, den sicim sechszchntcn Jahrhunderte erlangte. Es ist dieß die Abhandlung desDemochares: „De veritste tlkristi, nee non eorgoris et ssnguinistiliristi in missnv sneritieio. sclversus lnreretieos »sseitio, in 12. I'.r-risiis, 1372. Der Verfasser beweist die Ucbcrlicfcrung der katholische» Litur-gie durch die vereinigten Zeugnisse des heiligen Dionvsins, aller heiligen Vä-ter, aller Eoncilicn und aller Lehrer bis ans das scchszehnte Jahrhundert.