„Wer freut sich nicht, in katholischen Ländern am Abend das Ge-läute der Glocken zu Horen, welches das Alaria verkündigt, undzu sehen, wie jeder Christ sein stilles Gebet verrichtet — während diestrengen Reformatoren mit jener ausgearteten Andacht zugleich dasWahre, Erhabene und Schöne derselben entfernen mußten und keinenErsatz dafür finden konnten." Diese Bemerkung machte aber nicht einPriester von Zug, sondern ein Prediger in Berlin, der ein enthusia-stischer Verehrer Calvins ist.
Maria, welche von Byron besungen wurde:
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kann in Genf nicht Gnade finden. Calvin hob die Verehrung Ma-riens, der Muttes Gottes, als einen Götzendienst auf; und doch bestanddiese Verehrung schon in jenen alten Zeiten, in welchen die Kirche, nachdem Ausdrucke der Protestanten, die Wege Gottes ging. Um dieseDurchstreichung des Kalenders zu rechtfertigen, erhebt Calvin die alteAnklage des Götzendienstes, welche lange vor ihm von verschiedenenSchismatikern gegen uns erhoben wurde: als wenn nicht schon der heiligeCyrillus geantwortet hätte — „wir beten die Heiligen nicht an, wir bittensie nur um ihre Fürbitte bei Gott," und der heilige Hieronymus: „Wennschon das Gebet des Gerechten auf dieser Erde wie lieblicher Weihrauchzum Throne Gottes steigt, ein wie viel tausendmal lieblicherer Wohlge-ruch wird ihm das Gebet eines Seligen im Himmel sein!" DieReformation läugnete nicht, daß auch die Heiligen durch den Raum zuschauen vermögen: ist es nun nicht eine Grausamkeit von ihr, daß sieden Waisen hindert, seine Hände zu Marien, der Mutter aller Be-drängten zu erheben? Im Kriege der drei verbündeten Cantone gegendas Haus Oesterreich schildert uns der Geschichtschreiber Tschudi dieHelden vom Grütli, wie sie sich nach ihrem Gebete zu Gott, ihrem Schutz-patron und der Jungfrau Maria empfahlen. Ihr verwerfet nundiese Vermittlung, welche dem Schweizerlande die Freiheit erwarb.
Luther nannte Maria die Holdselige.
„Wer möchte läugnen," sagt er, „daß Gott an den Gräbern derHeiligen große Wunder wirkt? Ich sage mit der ganzen katholischenKirche, daß man die Heiligen anrufen und verebrm soll. Niemand soll
1) 8. Ilior. act VizÜLNt.
2) In oxposit. evsiiA. Dom. in »init.