Demuth und Beschauung der Liebe des Heilandes versinken. Diekatholische Kirche mit ihren stets geöffneten Thüren, ihren immer leuch-tenden Lampen, den stets rusenden Stimmen ihres Lobgesanges, ihrerMesse, ihren stets dankbaren Gedächtnißtagen und Festen, sagen immermit rührender Treue, daß hier mütterliche Arme offen stehen, bereit,Jeden zu erquicken, der mühselig und beladen ist; daß hier Allen dassüße Mahl der Liebe bereit steht, und eine Zuflucht Tag und Nacht.Wenn man diese stete Geschäftigkeit der Priester, dieses Heraus- undHereintragen des Heiligen betrachtet, die Fülle der Sinnigkeit, dentäglich gleich dem Blumenflor sich verändernden Schmuck, so erscheintdie katholische Kirche wie ein tiefer stets wasserreicher Brunnen in derMitte einer Stadt, der alle ihre Bewohner um sich versammelt, undAlles rastlos labt, erfrischt, weiht und durchdringt/") „Wenn aberder Pilger nach vollendeter Wallfahrt müde und voll frommer Freudeund Andacht auf den Treppen der Kirche knieet und seinen Dank dembringt, der seinen Weg ebnete und seine Schritte leitete und schirmte;wenn die Mutter in dem stillen leeren Tempel am Fuße des Altarshingesunken liegt, und ihren Säugling dem Schutze des erkvrnen Hei-ligen übergibt; wenn die Abendsonne in der dunklen Farbenpracht dergothischen Fenster spielt, und ihr letztes Strahlenlicht den einzelnenzusendet, welche die stillern Stunden nach dem vollendeten Tagwerkezu ihrer Andacht wählen; wenn die Lichter des Altars bei der Vesperunter den dunkeln Gewölben strahlen, und die Orgeltöne in den heiligenChorgesang rauschen, wenn selbst die Mitternachtsstunden und der Auf-gang der Sonne durch die Klosterglocke verkündigt wird, welche dieMönche aus den Zellen ruft, um den Herrn der Nacht und des Tageszu preisen, und für Leidende nah und fern zu beten, so wird es klarund anschaulich — und die katholische Kirche hat das Verdienst,diese hohe Wahrheit anschaulich zu machen — daß das Leben eine fort-gesetzte Anbetung Gottes sein muß, daß die Natur und die Kunsteine ewige und allgemeine Sprache zur Aeußerung und Erweckungdes höchsten Gefühls in der Menschenbrust besitzen, und wir müssen dieKirche, die es vermag, und in der Lage ist, sich diese Sprache in ihremganzen Umsange zuzueignen, glücklich preisen?)"
„Es ist sehr wahr, daß gerade das Poetische am katholischen Cultusfesselt; er ist ein, im Lichte des Glaubens spielender Diamant.Wer das Wesen der Poesie ahnet, wer das ewige Bcdürfniß fühlt,
1) Isidorus (Grafvon Loeben), Lotosblätter. 1817, B. l.
2) Clausen: Kirchenverfaffnng der Kathol. und Protestanten, S, 720.