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ser Nothwendigkeit einen Act der Vorsehung macht, um Jeden zuunterdrücken, der in ihm nicht das Werkzeug der Gottheit sehen will.Weßhalb soll er nun ein Bedenken tragen, die Kirche dem Staate zuunterwerfen, wenn er die Gewalten so zusammengesetzt hat, daß derStaat die Kirche nicht angreifen kann, ohne sich zu verderben, unddaß die Kirche, wie der Staat, nur so lange ihr Bestehen hat, alsdie Eine wie der Andere dasselbe dem Leben des Hohenpriesters ver-danken? Dieses war jene Theokratie, die er so sehr zu 1 einemVortheil begründete, daß er sich weigerte, die Spnodalverwaltung ein-zuführen, in welcher der Prediger die Gemeinde repräsentirt; wo jedegeistige Ueberlegenheit vor der christlichen Gleichheit der Mitglieder, auswelchen sie zusammengesetzt ist, erlischt; wo die dogmatischen und disci-plinarischen Angelegenheiten durch kirchliche Richter geregelt werden.Er wollte kein solches Gericht, unabhängig von einer Gewalt, von deres keinen Lohn empfing. Als Heinrich IV. die protestantische Gemeinde,welche sich in Frankreich vermöge des Synodalprincips gebildet hatte,schwächen wollte, gab er dieser Gemeinde eine politische Existenz, welcheunter Richelieu und Ludwig XIV. den Untergang derselben verursachte.
Nur weil Gaberel den doppelten Symbolismus Calvin's nichtgenug erforscht hatte, konnte er sich verdrießlich darüber zeigen, daß manbehauptet habe, der Reformator hätte den Clerus über den Staat ge-stellt, um den katholischen Ansichten, für die er wider seinen Willeneingenommen war, zu folgen.
Calvin wollte von dem Katholicismus nichts entlehnen, das ist ge-wiß: er ist der Schöpfer eines politisch-religiösen Systems, in welchemder Theorie nach das populäre Element vorherrschend zu sein scheint,während es in Wirklichkeit durch das psychologische oder priesterlicheElement neutralisirt und absorbirt ist. Er ist ein Theokrat, der in einemStraßenviertel das Kleid eines Arbeiters aufgehoben hat, um die Leuteglauben zu machen, daß er den Priester und den Bürger in sich vereine.
Als Calvin zu seiner Rechtfertigung, „die Schwäche der Zeit"anklagte, konnte er sich nicht verhehlen, daß seine Disciptinar-Verord-nungen nur ein Scheinleben haben, das sehr bald erlöschen würde.Damals kam er, ganz wie Melanchthon, auf die katholische Form zu-rück, und träumte von einem Genfer Episcopat, das er seinen Nachfol-gern vermachen wollte, weil er ihnen sein Genie nicht als Erbtheil zuhinterlassen vermochte. Er glaubte wirklich Bischof von Genf zu seinund zwar mit einer größer» Macht, als je ein Avitus oder Johann
1) Lalvin ä Cenove, p. 73.