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Nach dem Beispiele der übrigen protestantischen Fürsten maßteauch er sich nun die höchste kirchliche Gewalt in seinem Ländchenan. Er ließ ein unter Beihülfc Heinrich Bommel's verfaßtesneues Kirchenrcglement veröffentlichen, wodurch er daS Kirchen-wcsen ganz nach den neuen Grundsätzen eingerichtet wissen wollte.Diese neue Ordnung hielt sich mehr an den reformirten als anden lutherischen Ansichten. Für das Volk war diese Abweichungvon den lutherischen Gebräuchen hauptsächlich dadurch bemerklich,daß verschiedene, in der lutherischen Kirche noch beibehaltenenCäremonien, Kirchenverzierungcn und Kirchenklcider abgeschafftwurden, und man sich beim Abendmable des Brotes statt derHostien bediente. Kaiser Ferdinand erhielt Kunde von dem Ab-falle und der neuen Kirchenordnuug des Grafen und suchte Allesaufzubieten, um die der katholischen Kirche drohende Gefahr ab-zuwenden. Aber Alles war vergebens, und der Graf fuhr fortzu reformiren. Bei der Geistlichkeit fand er wenig Widerstand.Wo ei» Pfarrer der katholischen Kirche treu bleiben wollte, dawurde diesem ein reformirter Kaplan zugegeben. Während jenerdie h. Messe las, erging sich dieser in den heftigsten Schmähun-gen gegen das Meßopfer. Unter gräflichem Schutze rcforunrtcein solcher Kaplan dann die Gemeinde nach der gräflichen Kir-chenordnung, ohne daß der katholische eigentliche Pfarrer dasGeringste dagegen thun konnte. Er führte die deutsche Sprachebeim Gottesdienste ein, theilte die Communion unter bciveii Ge-stalten aus, schaffte die Prozessionen ab, fuhr gegen viele Feier-tage los, verwarf das Fasten, nannte das Herumtragen der con-sckrirten Hostie Abgötterei u. s. w. Wo die katholischen Pfarrerauf solche Weise ihre Gemeinden dem alten Glauben und Lebennicht entziehen lassen wollten, da entsetzte sie der Graf ihrerStellen und perlieh die Pfarreien solchen Männern, welche seinemWillen ergeben und der Reformation geneigt waren. So konntees geschehen, daß in kurzer Zeit von den in dieser Grafschaftliegenden fünfundzwanzig Pfarreien die meisten abfielen undder katholische Gottesdienst sich nur in sechs Pfarreien er