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Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
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und den genossenschaftlich verbundenen Landwirten zu Füßen leger»zu können. Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen hatte sichunabhängig machen wollen vom Getreidehandel. Die Regierung wardurch einea Kredit von drei Millionen Mark (für die heutige Zeit einewinzige Summe, für die damalige ein sehr ansehnlicher Betrag) derErrichtung von landwirtschaftlichen Getreidelagerhäusern entgegen-gekommen. In wenigen Jahren aber waren die schnell errichtetenKornhausgenossenschaften wieder eingegangen.

Der Raiffeisenverband war seit Raiffeisens Tod im Jahre 1888 indauernder Umgestaltung gewesen. Man wollte das Warengeschäft aufdie Landwirtschaftliche Zentral-Darlehns Kasse übertragen. Und nunging man ans Organisieren. Der Weinhandel, der Hopfenhandel, kurzalles sollte so organisiert werden, daß der Landwirt den ganzen Nutzenziehen sollte. Die Rückschläge blieben nicht aus. Die Jahre 1907 und1911 waren kritische Jahre erster Ordnung. Auch in dem Reichs^verband der landwirtschaftlichen Genossenschaften hatte sich die Ent-wicklung überschlagen. Wieder war es das .Zentralkreditinstitut, dasin schweren Schaden geriet. Die Reichsgenossenschaftsbank A. G.mußte in Liquidation treten und wurde 1914 aufgelöst. Die Landwirt-schaftliche Genossenschaftsbank Darmstadt war in die Zahlungs-schwierigkeiten mit hineingezogen und erlitt das gleiche Schicksal.Bei dem Kreditgeschäft hatte man geglaubt, sich über alle Grenzenhinwegsetzen zu können. In einem Fall (Niedermodau) kam es zuNachschüssen, wie sie niemals für möglich gehalten waren. Auch dasZenlralkreditinstitut der Schulze-Delitzschschen Kreditgenossenschaften,die Deutsche Genossenschaftsbank von Soergel, Parrisius & Cie., warnicht gerade in Schwierigkeiten geraten, hatte aber doch Verluste er-litten, die es zweifelhaft erscheinen ließen, ob die Deutsche Genossen-schaftsbank auch in Zukunft stark genug sein würde, das finanzielleRückgrat der Kreditgenossenschaften des Allgemeinen deutschen Ge-nossenschaftsverbandes abgeben zu können. Man nahm das Angebotder Dresdner Bank zur Fusion an unter der Bedingung, daß dieDresdner Bank ausdrücklich die Pflege des genossenschaftlichen Ge-schäftes in ihr Statut aufnahm und ferner in Berlin und Frankfurtbesondere Organisationen schuf, die auf die Eigenart des Kredit-geschäftes mit den Genossenschaften eingestellt waren.

Dazwischen gingen Vereinigungsbestrebungen zwischen demRaiffeisenverband und dem Reichsverband. Und ebenso schnelltrennte man sich. Unmittelbar vor der Krisis der Landwirtschaft-lichen Zentral-Darlehnskasse im Jahre 1911 wurden vom Reichs-verband Annäherungsversuche gemacht. Es folgte die Katastrophe inHessen. Jeder Verband blieb für sich.