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Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
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daß der Genossenschaft Staatsmittel zur Befriedigung ihres Kredit-bedürfnisses zugeführt werden. Die Schulze-Delitzschschen Genossen-schaften stehen auf einem ander Standpunkt. Sie sind unabhängigvon der- Staatshilfe geblieben und haben die Zentralisation ab-gelehnt. Auf dem Allgem. Genossenschaftstag zu Leipzig (1907)mußte der Präsident der Preußischen ZenlralgenossenschaftskasseDr. Heiligenstadt zugeben: „daß nach seiner Überzeugung für eineganze Reihe Schulze-Delitzschscher Genossenschaften eine Vereini-gung zu Verbandskassen keinen erheblichen Zweck hätte; sie kanneben nicht die wirtschaftlichen Vorteile bringen, die man erhofft,wenn auch die Vorteile, die man doch haben kann, nicht ge-ringe sind."

Die Schulze-Delitzschschen Genossenschaften haben aus sichselbst heraus die Institute geschaffen, deren sie bedurften, um mitdem Geldmarkt in Verbindung zu treten (Crüger, „Einführung indas Genossenschaftswesen", S. 82). Schulze-Delitzsch suchte zu-nächst den Großbankkredit den Genossenschaften zu eröffnen durchVereinbarungen mit einzelnen Banken. Im Jahre 1864 gründeteer dann die Deutsche Genossenschaftsbank von Soergel, Parri-sius & Co., deren wesentlichstes Verdienst wohl in der Schaffungdes Giroverbandes besteht. Die Deutsche Genossenschaftsbank gingim Jahre 1904 auf die Dresdner Bank über, die als Ersatz der Deut-schen Genossenschaftsbank die Genossenschaftsabteilungen schuf.(Über Einzelheiten vergleiche Crüger, „Einführung in das Genossen-schaftswesen", S. 83.) Die Gründung des Giroverbandes bezweckt,für die Mitglieder einen allgemeinen Giroverkehr zu schaffen unddie Giroplätze in gewissem Sinn zu Bankplätzen zu erheben. Auchheute, nachdem die Reichsbank ganz Deutschland mit einem Netzvon Bankstellen überzogen hat, ist der Giroverband eine bedeutsameEinrichtung geblieben und hat an Wichtigkeit nichts verloren. DerGiroverband hat auch den Zweck, als Ausgleichstelle unter denangeschlossenen Genossenschaften zu dienen. Seine Vorteile be-stehen im wesentlichen darin, daß die Möglichkeit billigen Wechsel-einzugs avif eine große Zahl deutscher Plätze die Genossenschaftenin den Stand setzt, das Diskontgeschäft in größerem Umfange zupflegen. In Verbindung mit dem Giroverband steht die Scheck-vereinigung, deren Mitglieder sich verpflichtet haben, provisionsfreigegenseitig Schecks einzuziehen. Der Scheckvereinigung gehörtenAnfang 1908 224 Genossenschaften an. Die Entwicklung und Be-deutung des Giroverbandes zeigt die nachfolgende Tabelle: