Druckschrift 
Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen
 

die Lage kommen, fast gänzlich des fremden Betriebskapitals ent-behren zu können, er muß mit eigenen Mitteln arbeiten. Auch einerichtig geleitete Rohstoffgenossenschaft und landwirtschaftliche Be-zugsgenossenschaft hat zu dem gleichen Ergebnis zu gelangen. Beiden Molkereigenossenschaften sehen wir zuweilen eine Vermögens-bildung, die sogar weit über das Bedürfnis hinausgeht. Bei denBaugenossenschaften ist die Beschaffung des Betriebskapitals natur-gemäß am schwierigsten, weil große Betriebskapitalien gebrauchtwerden, die für längere Zeit der Genossenschaft zu belasten sind-Nichts wäre freilich verfehlter, als wenn die Baugenossenschaft sichallein auf diese fremden Betriebskapitalien verlassen wollte. Siemuß auch auf die entsprechende Bildung des eigenen Vermögensbedacht sein.

Am eigenartigsten und zum Teil am schwierigsten macht sichdie Betriebskapitalbildung bei der Kreditgenossenschaft, weil diese,oft wenigstens, bei den Kreditgeschäften die Lage des Geldmarktesnicht aus dem Auge verlieren darf. Die wichtigsten Geschäftszweigefür die Kreditgenossenschaft zur Gewinnung des Betriebskapitalssind Sparkassen- und Depositenverkehr, und sie muß darauf bedachtsein, mit eigenem Vermögen und eigenen Kapitalien im großenGanzen das Kreditbedürfnis der Mitglieder nicht nur befriedigen zukönnen, sondern aus eigenen Mitteln noch besorgt zu sein für dieBeschaffung der nötigen liquiden Mittel. Dadurch wird die Kredit-genossenschaft freilich nicht unabhängig vom Geldmarkt, sie mußauf den Preis des Geldes Rücksicht nehmen sowohl bei der Zins-vergütung, die sie bewilligt, wie .bei den Zinssätzen, die sie berechnet.Die Verhältnisse einer Kreditgenossenschaft müssen ganz besondersliegen, wenn sie imstande sein soll, ihre eigene Zinspolitik zutreiben, d. h. sich unabhängig zu halten von dem Preis des Geldesam Geldmarkt. Im allgemeinen, auch schon aus allgemein wirtschaft-lichen und erzieherischen Gründen, wird sich aber die Kredit-genossenschaft dem Geldmarkt anzupassen haben. Und wie nun dieVerbindung der Kreditgenossenschaft mit dem Goldmarkt schaffen?Bei den ländlichen Darlehnskassen haben wir den Aufbau kennengelernt: Dorfkasse, Verbandskasse, Preußische Zentral - Genossen-schaftskasse; in den außerpreußischen Staaten besteht ein ähnlicherAufbau. Das Streben in diesen Kreisen geht auch nach einerReichsgenossenschaftskasse. Theoretisch soll es das Ziel der Preu-ßischen Zentral-Genossenschaftskasse sein, und ebenso das Zielder Zentralkassen in den anderen Bundesstaaten, der Einzelgenossen-schaft (durch die Verbandskasse) den Geldmarkt zu erschließen.In Wirklichkeit kommt jedoch der Verkehr meist darauf hinaus,