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Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
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Immer wieder wird der Versuch mit der Gründung von Fleisch-verkaufsgenossenschaften gemacht. So wurde im Mai 1907 eineGenossenschaft mit der Firma: „Pommerscher Fleischverkaufsver-band, e. G. m. b. H., in Berlin errichtet. Die Haftsumme pro Ge-schäftsanteil betragt bei dieser Genossenschaft 3000 M., die höchstezulässige Zahl der Geschäftsanteile ist 100, so daß sich also dieHaftsumme eines Mitgliedes bis auf 300 000 M. steigern kann. Obda der Vorteil aus der Mitgliedschaft mit dem Risiko im richtigenVerhältnis steht? Bei der Gründung derartiger Genossenschaften hatman ähnlich mit Schlagworten zu wirken versucht, wie bei der Bil-dung von Kornhausgenossenschaften. Auch hier wieder das Streben:die Landwirte sollten unabhängig werden vom Handel und Einflußgewinnen auf die Preisbildung.

In Süddeutschland sind es auch nun wieder die Darlehnslcassen,die für die Viehverwertung herangezogen werden.

Neuerdings versucht man es mit Viehverwertungsgenossen-schaften. Im Jahro 1899 wurde in Berlin die Zentrale für Vieh-verwertung, e. G. m. b. H., ins Leben gerufen, der von der preu-ßischen Regierung ein Darlehen von 1000 000 M. zur Verfügunggestellt wurde, um bei Berlin einen Magerviehhof anzulegen. DieAufnahme, die diese Genossenschaft gefunden, scheint eine rechtverschiedene zu sein. Recht schlimme Erfahrungen hat die Land-wirtschaft mit der sog. Milchversorgung großer Städte gemacht. Da.kommt insbesondere das Schicksal der Berliner Milchzentrale inBetracht, die ihren Mitgliedern einen Verlust von 7 000 000 M.gebracht hat.

Zwischen der Verkaufsgenossenschaft und der Werkgenosseu-schaft besteht eine gewisse Verwandtschaft; auch ist nicht immerdie Grenze zwischen Werkgenossenschaften und Verkaufsgenossen-schaften ganz sicher zu ziehen. Meist wird die Werkgenossenschaftauch gleichzeitig Verkaufsgenossenschaft sein, und ebenso wird derumgekehrte Fall eintreten. So ist die Obslbaugenossenschaft, diesoeben besprochen ist, insoweit Werkgenossenschaft, als das Obstfür den Verkauf zubereitet wird. Und da sie auch gleichzeitig denAbsatz besorgt, ist sie Verkaufsgenossenschaft. Ähnlich liegt es mitder Getroideverkaufsgenossenschaft, die ebenfalls das Getreide be-handeln muß, um es verkaufsfertig zu machen. Diesem genossen-schaftlichen Zweig ist in der Landwirtschaft ganz besondere Auf-merksamkeit geschenkt, und vor allem in Preußen sind bedeutendestaatliche Mittel zu seiner Pflege zur Verfügung gestellt. Alle Ver-suche haben sich bisher als verfehlt ergeben. Dabei waren ver-schiedene Momente von Bedeutung. Einmal fehlte es oft an der