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Grundriss des deutschen Genossenschaftswesens
Entstehung
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leisten, damit führen wir unsere wirtschaftlichen Gebilde entgegenihrem höchsten Zweck und Ziele;"

der allerdings einen Widerspruch jener Erklärung bedeutet, welchezur Gründung des Verbandes geführt hat. Wie in dieser Frage hatauch in anderen eine vollkommene Schwenkung stattgefunden.Ursprünglich vollkommen im Sinne Schulze-Delitzsch' unbedingteVertreter der Selbsthilfe hat man dann später die Gründung derPreußischen Zentral-Genossenschaftskasse freudigst begrüßt. EinigeJahre darauf auf dem Allgemeinen Vereinstag zu Karlsruhe imJahre 1898 wollte man sich freilich abwenden von dieser Kasse,da man die Bedingungen der Staatshilfe zu drückend empfand, undsich selbständig machen. Man rief die Landwirtschaftliche Reichs-genossenschaftsbank, e. G. m. b. H. in Darmstadt ins Leben, umein Gegengewicht gegen die Preußische Zentral-Genossenschaftskassezu besitzen. Auch dieser Zustand war nicht von langer Dauer.Dann verzichtete die Landwirtschaftliche Reichsgenossenschaftsbank,e. G. m. b. H., unter dem Druck der Preußischen Zentralgenossen-schaftskasse auf den Geldverkehr mit den preußischen Verbands-kassen zugunsten der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse undging mit dieser sogar eine finanzielle Interessengemeinschaft ein.Wohl um aus dieser wieder herauszukommen, wurde die Auflösungbeschlossen und eine Aktiengesellschaft an ihrer Stelle gegründet. —

„Was den sachlichen Umkreis des Genossenschaftswesens an-langt, so stehen sich die extremen Meinungen sehr schroff gegenüber.Aus den Kreisen des Handels und Gewerbes wird nicht selten denGenossenschaften jede Existenzberechtigung abgesprochen: Siemachten die Vernunft- und kulturgemäße Arbeitsteilung nach Ständenrückgängig, vernichteten berechtigte und notwendige Gewerbszweigeund arbeiteten ungeschickt, teuer und zum Schaden auch ihrerMitglieder. Auf der andern Seite haben die bisherigen schönenErfolge Genossenschaftsenthusiasten großgezogen, die der Meinungsind, man könne schlechterdings alles auf genossenschaftlichemWege durchsetzen und erreichen, jedes Gewerbe und jeden Handelbetreiben und so allmählich alle Reichtümer der Welt anderen ausden Händen nehmen und den genossenschaftlich verbundenen Land-wirten zu Füßen legen.

Vor solchen Übertreibungen muß man sich hüten, ob sie in dieserschroffsten, ob sie auch nur in eingeschränkter und abgeschwächterForm, nur dem Handel gegenüber, auftreten. Solche groben Fehlermacht die Kulturentwicklung nicht, daß sie eine fein durchgeführteArbeitsteilung zwischen Landwirtschaft, Gewerbe und Handel schafft,während im Grunde die genossenschaftliche Produktion der Land-