340Geschichte der Griechen,Bechers so lange herumgehest, bis die Beine müdewerden, und dich dann aufs Bette niederlegst. Ernahm den Becher ganz gleichgültig, ohne die geringsteVeränderung ſeiner Miene oder Geſichtsfarbe, ſah denMann mit ruhigem festen Blicke an, und fragte ihn„Nun, was meinst du, kann man noch etwas davon„zum Opfer ausgießen?“ Als man ihm sagte, es seynichts als das Nöthige zubereitet worden, erwiederteer: „So kann ich doch wenigſtens mein Gebet zu den„Göttern verrichten, wie meine Pflicht ist, und sie anru-„fen, daß sie meinen Ausgang aus der Welt, und mei-onen lezten Auftritt in derselben segnen, dies ist alles,was ich aufs brünstigste von ihnen erbitte.“ Nach die-sen Worten schwieg er einige Zeit, und leerte dann denganzen Becher mit einer Ruhe und Heiterkeit des Ge-sichts aus, die über alle Vorstellung und Beschreibungerhaben war.Bis dahin hatten seine Freunde, nicht ohne sichgroße Gewalt anzuthun, ihre Thränen zurükgehalten,aber sobald er den Becher geleert hatte, waren sienicht länger Herr über sich selbst, und weinten. Apol-lodorus, welcher schon während der ganzen Unterre-dung in Thränen geschwommen, erhub jezt ein großesGeschrei, und klagte mit einem Jammer, der allen An-wesenden das Herz durchbohrte. Sokrates allein bliebunbewegt, und machte sogar seinen Freunden Vorwür-fe, wiewohl mit seiner gewöhnlichen Sanftmuth undGüte. Was macht ihr, sagte er zu ihnen. Ich wun-odere mich über euer Betragen. O! was ist aus eurer»Tugend geworden? Schikte ich nicht darum die Weiberweg, weil ich dergleichen Schwachheiten von ihnen be-„fürchtete? Denn ich habe immer sagen hören, man sollvin Ruhe sterben, und die Götter segnen. Ich bitte al-„so, fasset euch, und zeigt mehr Standhaftigkeit und„Entschlossenheit.“ Sie mußten also ihre Thränen trok-nen, und des Weinens ein Ende machen.Un⸗
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