Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
341
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Zwanzigster Abschnitt.341Unterdessen gieng er immer auf und nieder, und alser fühlte, daß seine Beine müde wurden, legte er sichauf den Rücken nieder, wie ihm gesagt war.Das Gift wirkte hierauf immer stärker. Als ermerkte, daß es ans Herz zu dringen anfieng, dekte er seinGesicht auf, welches er bis dahin bedekt hatte, ohneZweifel, damit ihn nichts in seinen lezten Augenblickenstören möchte, und sagte:Krito, wir sind dem Aesku-lap einen Hahn schuldig; vergiß nicht, ich bitte dich,dies Gelübde für mich abzutragen. Gleich nach die-sen Worten verschied er. Krito drükte ihm Mundund Augen zu. Dies war das Ende des Sokrates,im ersten Jahre der fünf und neunzigsten Olympiade,und im siebenzigsten seines Alters. (J. v. Chr. 400.)Erst eine geraume Zeit nach dem Tode dieses gro-ßen Mannes erkannten die Athener ihr Vergehen, undfiengen an, es zu bereuen. Da ihr Haß befriedigt war,verschwanden ihre Vorurtheile, und da die Zeit ihnenzur Ueberlegung Raum gegeben hatte, zeigte sich ihnendie Ungerechtigkeit ihres Urtheils in ihrer Abscheulichkeit.Man hörte durch die ganze Stadt nur Lobpreisungendes Sokrates. Die Akademie, das Lyceum, die Pri-vathäuser, die öffentlichen Spaziergänge und Marktplä-tze, alles schien von den Tönen seiner geliebten Stimmewiederzuhallen. Hier, sagten sie, hier bildete er un-sere Jugend, und lehrte unsere Kinder ihr Vaterlandvlieben, und ihre Aeltern ehren. Hier gab er uns sei-ne bewundernswürdigen Lehren, und machte uns zuwei-vlen heilsame Vorwürfe, um uns zu einem wärmern Ei-fer für die Tugend zu reizen. Ach! wie haben wir ihmseine herrlichen Wohlthaten vergolten! Ganz Athenwar in allgemeiner Trauer und Niedergeschlagenheit. DieSchulen waren verschlossen, alle Uebungen eingestellt.Die Ankläger wurden zur Rechenschaft gefordert wegendes